Lexikon der Filmbegriffe

Cop-Action-Film

In den späten 1940er Jahren entstanden die ersten Kriminalfilme, die die Ermittlungen ins Zentrum der Geschichten stellten und deren Helden die ermittelnden Polizisten waren. Das Bild des kühlen, sachlich-distanzierten Ermittlers blieb zentral, bis anfangs der 1970er Jahre der Cop zu einem gewalttätigen, durch Duell- und Rachemotive angetriebenen Action-Helden mutierte. Es waren Filme wie Dirty Harry (1971), der die Figur des soziopathisch gestörten Polizisten vorführte, die den Psychopathen auf der Verbrecherseite immer ähnlicher wurden. Mit dem Reaganismus kehrt sich diese Kriminalisierung und Entmoralisierung der Polizistenfigur radikal um – sie wurde in den 1980er Jahren zur Idealisierung eines brutal umgesetzten Rechtssystems (und gleichzeitig zum Idealbild einer rücksichtslos sich durchsetzenden Männlichkeit, die gegen alle Aufweichungen der Geschlechterrollenklischees an traditionellen Männlichkeitsbildern festhält). Diese Figuren waren hart, eigensinnig und unabhängig, durch ihre vorgesetzten Behörden nahezu unkontrollierbar – Einzelgänger, die den bedingungslosen Kampf gegen eine die Gesellschaft beherrschende Kriminalität als private Kriegserklärung aufnahmen. Sie stellten die Herrschaft der Gewalt im städtischen Alltag ebenso aus wie die Unfähigkeit der Bürokratien und bürgerlichen Institutionen. Typischerweise gehörten sie der Arbeiterklasse an, nicht den verweichlichten Mittelschichten.
Der Cop-Action-Film stellte den männlichen Körper aus, der gequält und misshandelt wurde, der höchsten Belastungen standhalten musste, der immer wieder in physische Auseinandersetzungen hineingezwungen wurde – und der sich oft genug am Ende als „tödliche Waffe“ erwies. Nicht umsonst heißt einer der populärsten Filme des Genres Lethal Weapon (1987, Richard Donner; mehrere Sequels), und nicht umsonst beschwört der Titel Die Hard (1988, John McTiernan; zwei Sequels) die schließliche Entscheidung – der einsame, blutende und erschöpfte Polizist hat nicht nur eine ganze Gruppe deutscher Terroristen umgebracht, er hat außerdem ein neues Hochhaus – Repräsentation der Macht des Geldes – geschleift, und das alles eigentlich, um eine Frau zu retten. Die beiden wichtigsten Schauspieler für diesen Helden-Typus waren Mel Gibson und Bruce Willis.

Literatur: Fuchs, Cynthia: The Buddy Politic. In: Screening the Male: Exploring Masculinities in Hollywood Cinema. Ed. by Steven Cohan and Ina Rae Hark. London: Routledge 1993, S. 194-210. – Jeffords, Susan: Hard Bodies: Hollywood Masculinity in the Reagan Era. New Brunswick, NJ: Rutgers University Press 1994. – King, Neal: Heroes in Hard Times: Cop Action Movies in the U.S. Philadelphia: Temple University Press 1999.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JH


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