Lexikon der Filmbegriffe

Impressionismus

In Anlehnung an die gleichnamige Bewegung der französischen Malerei des späten 19. Jahrhunderts benannte filmische Stilrichtung der 1920er Jahre. Zu ihren HauptvertreterInnen gehören Germaine Dulac (La souriante Madame Beudet, 1923), Jean Epstein (La Chute de la Maison Usher, 1928), Abel Gance (La Roue, 1923), Marcel L'Herbier (Rose-France, 1918) und Louis Delluc (Fièvre, 1921), die den Film aus den Fesseln der Literatur befreien wollen. Insofern sind ihre Werke auch als Gegenreaktion zur Bewegung des Film d‘Art zu verstehen. Pathetisch-symbolhafte Filme (wie La Roue) und zur Abstraktion neigende Werke (Brumes d‘automne, 1927, Dimitri Kirsanow) bilden die beiden Pole der Bewegung. In ihrem Zentrum steht das fragmentierte subjektive Moment, das gerade nicht in konventionelle Modelle filmischer Erzählung übertragen wird. Stattdessen stehen Introspektionen, Beschreibungen psychischer Prozesse und subtiler Stimmungen im Vordergrund, die vor allem mit den formalen Mitteln der mobilen Kamera, mit Doppelbelichtungen, Zerrbildern u.a. optischen Effekten erreicht werden. Dennoch, bei aller antiliterarischen Grundhaltung des Impressionismus bleiben die Filme in ihrer Grundform narrativ und erzählen Geschichten – ganz im Unterschied zur Avantgarde der 1920er, die auf das Erzählerische weitgehend verzichtet.

Literatur: Oliver Fahle: Jenseits des Bildes. Poetik des französischen Films der zwanziger Jahre. Mainz: Bender-Verlag 2000. – Bordwell, David: French Impressionist Cinema. New York: Arno Press, 1980. – Abel, Richard. French Cinema: The First Wave 1915-1929. New Jersey: Princeton University Press 1984.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: PB


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