Lexikon der Filmbegriffe

Janespotting

Seit etwa 1997 gebräuchliche, auf der Folie des Filmtitels Trainspotting (Großbritannien 1996, Danny Boyle) kreierte, ironisch-polemische Bezeichnung für die Popularisierung des britischen Heritage Films, wie sie insbesondere auch durch die Literaturverfilmungen der Merchand/Ivory-Produktionen einem weiten Publikum bekannt wurden. Mit der ab 1995 einsetzenden sogenannten Austenmania, jener auffälligen und bis heute anhaltenden Häufung von Roman-Adaptionen der englischen Schriftstellerin Jane Austen (1775-1817), kam es zu einem nostalgisches Schwelgen in Ausstattungen, neoklassizistischer Ästhetik der Regency-Periode und romantisch schönen englischen Landschaften. Dadurch wurde von Seiten der neokolonialistischen Literaturwissenschaft ein noch nicht abgeschlossener Diskurs über Emotionalität und Identität angestoßen, der die Frage nach der Berechtigung ästhetisierender Rekonstruktion einer vorgeblichen „Englishness“ im historisierenden Kostüm durch Kontrastierung mit drastischen Darstellungen brutaler jetztzeitiger Lebensbewältigung durch junge britische Großstädter, wie sie etwa Danny Boyles Film anbietet, zu beantworten sucht und dabei auch ältere – durch das entstehende Emotionalitätsparadigma in den Kulturwissenschaften neu bewertete – Diskussionen um mögliche Funktionen und vermuteten Nutzen oder Schaden von eskapistischem Kitsch und Oberflächenästhetik aktualisiert.

Literatur: Forde, John Maurice: Janespotting. In: Topic. A Journal of the Liberal Arts (Washington, Pa.) 48, 1997, 11-21. – Voigts-Virchow, Eckart (ed.): Janespotting and beyond: recent British heritage retrovisions. Tübingen: Narr 2004.
 

Referenzen:

Austenmania

costume drama

Heritage Movies

Kostümfilm

Literaturadaption


Artikel zuletzt geändert am 04.01.2012


Verfasser: LK


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