Lexikon der Filmbegriffe

Struktureller Film

engl.: structural film

Richtung des Experimentalfilms besonders während der 1960er und 1970er Jahre in den USA (Wavelength, USA 1966, Michael Snow; Nostalgia, USA 1973, Hollis Framton; Tide, BRD 1974, Heinz Emigholz). Die Filme folgen einem aus den Parametern des Mediums oder der Drehsituation selbst gewonnenen Konzept, ähnlich einem naturwissenschaftlichen Versuch. Die äußeren Bedingungen des Experiments sind festgelegt, für das Publikum nachvollziehbar und von prozesshafter, „dramatischer“ Struktur. Zum Beispiel wird alle Sekunde ein Einzelbild aufgenommen, während die Kamera sich vom gefilmten Objekt entfernt, aber gleichzeitig auf es zoomt, so dass die verschiedenartigen Bildveränderungen durch räumliche Distanzierung und flächige Annäherung beobachtet werden können und das Ende des Films sich aus der maximalen Distanz oder Nähe zum Objekt ergibt. Im Unterschied zum naturwissenschaftlichen Versuch ist das Ergebnis des strukturellen Films ein ästhetisches, indem neben ausgeklügelten Vorgängen auch Bildkomposition, Rhythmus etc. eine Rolle spielen und das Konzept selbst spielerisch durchgeführt oder auch regelwidrig durchbrochen. Häufig, aber keineswegs immer, sind strukturelle Filme gleichzeitig Materialfilme. 

Literatur: Sitney, P. Adams: Structural film. In: Film Culture 47, 1969. Repr. in dem von Sitney hrsg. Sammelband: Film Culture Reader. New York: Praeger 1970. Repr. des Sammelbands: New York: Cooper Sqare Press 2000. – Maciunas, George: Some Comments on "Structural Film", by P. Adams Sitney. In: Film Culture 47, 1969. Repr. in: Film Culture Reader. Ed. by P. Adams Sitney. New York: Praeger 1970. Repr. des Sammelbandes: New York: Cooper Square Press 2000.
 

Referenzen:

Minimalismus I: Experimentalfilm


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: PB


Zurück