Lexikon der Filmbegriffe

Familiensaga

In episch breiten, meist langatmigen (gelegentlich mehrteiligen) Filmen wird die Geschichte einer Familie über mehrere Generationen hinweg erzählt; ein neueres Beispiel ist Edgar Reitz‘ inzwischen drei Zyklen von Filmen übergreifendes Projekt Heimat (I – Heimat, 1984, II – Die zweite Heimat, 1992, III – Heimat 3, 2004). Zu den wiederkehrenden Motiven gehören die Generationenbeziehungen, die oft spannungsreich sind und in Konkurrenzkämpfe zwischen einzelnen Familienmitgliedern oder ganzer Familienzweige ausarten können. Eines der wichtigsten literarischen Vorbilder sind Thomas Manns „Buddenbrooks“ (verfilmt 1923, 1959, 1979, 1984); Sagas werden oft als Filmzyklen oder Mehrteiler realisiert und eignen sich darum ganz besonders für das Fernsehprogramm; erinnert sei z.B. an Eberhard Fechners Adaption der Kempowski-Romane Tadellöser und Wolff (1975) und Ein Kapitel für sich (1979). Außerdem steht das wirtschaftliche Schicksal eines Clans oft im Vordergrund (La Caduta degli Dei, 1969, Luchino Visconti, schildert z.B. das Schicksal einer Industriellenfamilie in der Nazizeit; man denke auch an die drei Filme der Godfather-Trilogie, 1972, 1974, 1990). Der Reiz solcher Gruppenporträts liegt in der Möglichkeit, zahlreiche Figuren unterschiedlich zu gestalten und sie auf engem Raum aufeinander treffen zu lassen. Dieses Erzählmuster wirkt organisch und natürlich, weil alle Figuren in das übergreifende System der Familie eingebettet sind; manche Sagas sind autobiografisch motiviert – wie Jim Sheridans In America, 2002 –, was manchmal zu einer deutlichen Authentifizierung der Erzählung beiträgt, manchmal aber auch nur zu einer nostalgischen Einfärbung der Geschichte führt. Viele Familiensagas sind Literaturverfilmungen, aber längst nicht jede ist gleichzeitig ein Familiendrama.

Referenzen:

Familiendrama


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: PB JH


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