Lexikon der Filmbegriffe

home movie

Eine Variante des Amateurfilms, die wie dieser außerhalb professioneller Produktionsbedingungen entsteht. Home Movies gelangen kaum je außerhalb eines privaten Rahmens zur Aufführung. Ihre zentrale Funktion ist die der privaten Erinnerung, ihr Gegenstand die Familie zu Hause und im Urlaub, in mehr oder weniger humorvollen, alltäglichen oder pikanten Situationen. Gedreht wird seit den 1920er Jahren auf 16mm- und 9,5mm-Material, Normal-8, seit den 1960er Jahren auf Super-8 und schließlich mit Video- und digitalen Kameras. Neuere theoretische Ansätze gehen davon aus, dass Home movies und Amateurfilme für ihr Zielpublikum (Familie, Freundeskreis) funktionieren, nicht obwohl, sondern weil sie unter professionellen Gesichtspunkten „schlecht“ gemacht sind. Gerade dadurch treten sie mit den tatsächlichen Erinnerungen des Publikums nicht in Konflikt und ermöglichen den Beteiligten, Erlebtes nach eigenem Ermessen zu erinnern – wogegen eine höhere Professionalität der Bilder die eigentlichen Erinnerungen in den Hintergrund rücken würde. Im sozialhistorisch engagierten Dokumentarfilm und Experimentalfilm werden Home movies (oft als Found Footage) in Kompilationsfilme integriert. Der Spielfilm bedient sich besonders dann der (nun sehr professionell angegangenen) Formensprache des Home movies, wenn es etwa in Parodien und Satiren gilt, (Klein-)Bürgerliches auf die Schippe zu nehmen.

Beispiele: Mes Parents un Jour d‘Été (Frankreich 1990, François Ozon); Alpsee (BRD 1994, Matthias Müller).

Literatur: Chalfen, Richard: Home Movies as Cultural Documents. In: Film Culture, 1982, S. 126-138. – Raine, Craig: History – the home movie. London [...]: Penguin Books 1994.

Referenzen:

Amateurfilm

Kamerafilm

Privatfilm

Schmalfilm


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: PB


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