Lexikon der Filmbegriffe

Homoerotik

Der Begriff blickt auf eine problematische Geschichte zurück und ist im Alltag bis heute eine Art terminologischer Verlegenheitslösung, die dann verwendet wird, wenn der vermeintlich anstößige Begriff der Homosexualität durch ein Wort ersetzt werden soll, das weniger nach explizitem Sex und mehr nach harmloser Schwärmerei klingt; gemeint ist freilich meist dasselbe. Hier gilt er für das unterschwellige, indirekte Evozieren gleichgeschlechtlichen Begehrens. Homosexualität ist in diesen Filmen zwar gemeint (selten im positiven, oft im negativen Sinn), aber niemals direkt ausgesprochen – sei es aus Angst davor, zum Zensurfall zu werden, oder davor, das gutbürgerliche Mainstream- Publikum vor den Kopf zu stoßen. Negative Schilderungen dieses Begehrens richten sich an ein heterosexuelles Publikum, beschränken sich auf gängige Vorurteile und haben abschreckende Funktion. Positive Schilderungen richten sich an ein schwules und/oder lesbisches Publikum, sind im Mainstream vorsichtig dosiert und tendenziell hoch codiert. Sie funktionieren im Sinn einer zweiten Lesart, die nur dann rezipiert werden kann, wenn das Publikum über die entsprechenden visuellen und verbalen Codes verfügt.

Beispiele: Rebecca (USA 1940, Alfred Hitchcock); Mephisto (Ungarn/BRD/Österreich 1981, István Szabó); Interview with the Vampire (USA 1994, Neil Jordan).

Referenzen:

Dykesploitation


Artikel zuletzt geändert am 27.01.2012


Verfasser: PB


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