Lexikon der Filmbegriffe

Mogul

(1) Nach dem mohammedanischen Herrscherhaus, das in Indien von 1526-1857 regierte, wird die Bezeichnung Mogul auf Figuren mit großer Finanzmacht und ausgeprägtem Gestaltungs- und Kontrollwillen in der Filmindustrie (wie auch in anderen Industriezweigen) übertragen. Die Macht der Mogule war wohl in der Studiophase am höchsten. Samuel Goldwyn, Harry Cohn und Louis B. Mayer gehören zu den prototypischen Mogul-Studiobossen, die nicht nur durch ihren Reichtum, sondern auch durch den tatsächlich ausgeübten Einfluß auf die Arbeit ihrer Firmen ausgezeichnet waren; zu den weniger typischen rechnen Männer wie Howard Hughes, Dino de Laurentiis oder Alexander Korda. Die Bezeichnung ist bis heute verbreitet: Nicht nur Leo Kirch, sondern auch Haim Saban, der die Reste der Kirch-Gruppe übernahm, gelten als Mogule.
(2) Mogul ist auch verbreitet als Kennzeichnung von Filmfiguren: Dabei handelt es sich oft um Darstellungen von Aufstieg und Fall patriarchalisch gesinnter Industriekapitäne (wie in Giant, 1955), die größte ökonomische Macht erst erringen müssen und dann die Phase des Alters und des Abdankens aus den Positionen der Macht als tiefe Identitätskrise erleben (wie in Magnolia, 1999), insbesondere vor plötzlichem Tod zurückschrecken (wie in Meet Joe Black, 1998). Andere versuchen, ihre Macht bis ins megalomane Phantasien auszuweiten; insbesondere in den James-Bond-Filmen hat sich der Typ des mad moguls als Verkörperung des Bösen ausgebreitet, angefangen bei der Figur des Bloberg bis zu den neuen Entwürfen von Medienmogulen, die Weltherrschaft als Medienherrschaft auszuüben suchen.

Referenzen:

Tycoon


Artikel zuletzt geändert am 31.07.2011


Verfasser: JH


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