Lexikon der Filmbegriffe

Porträt

von frz. portrait = Bildnis

Das (journalistische) Porträt sucht die charakteristischen Züge einer Person der äußeren Realität so genau wie möglich zu beschreiben. Bewertungen der dargestellten Person – hinsichtlich ihres menschlichen und moralischen Ranges, der Qualität ihrer wissenschaftlichen oder künstlerischen Produkte, ihrer politischen oder historischen Bedeutung – sind nicht eindeutig, sofern sie überhaupt explizit geäußert werden. Idealerweise betreibt das Porträt eine Auseinandersetzung mit einer Person, ist eine Mischung aus sachlichen Angaben über sie – dem durch Zeugen oder den Autor des Porträts geschilderten, beobachteten und beschriebenen und von außen gewichteten Lebenslauf – sowie aus Reflexionen über Persönlichkeit, Charaktermerkmale, Kongruenzen und Widersprüche. Das offen ins Spiel gebrachte Nachdenken über Interpretation und Gewichtung des Porträtierten oder seiner Leistungen unterscheidet das Porträt vom Nekrolog, vom Biopic und vom biographisch unterfütterten Pamphlet. Filmische Porträts sind oft als Doku-Porträts ausgeführt und finden sich heute fast ausschließlich im Fernsehen. Zum Teil arbeiten die Filme mit lebenden Personen wie Testamento (BRD 2003, Uli Stelzner, Thomas Walther) über den greisen bolivianischen Rechtsanwalt Alfonso Bauer Paíz, teilweise mit Figuren der Zeitgeschichte wie Wehner – Die unerzählte Geschichte (BRD 1993, Heinrich Breloer).

Literatur: Egli von Matt, Sylvia / Peschke, Hans-Peter von / Riniker, Paul: Du sollst dir (k)ein Bildnis machen. Das Buch zum journalistischen Porträt. Aarau/Frankfurt/Salzburg: Sauerländer 1997. – Egli von Matt, Sylvia / Peschke, Hans-Peter von / Riniker, Paul: Das Porträt. Konstanz: UVK 2003. – Fischer, Andreas: Studien zum historischen Essay und zur historischen Porträtkunst an ausgewählten Beispielen. Berlin: de Gruyter 1968.

Referenzen:

cameo shot

Doku-Porträt


Artikel zuletzt geändert am 10.02.2012


Verfasser: JH


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