Lexikon der Filmbegriffe

Polyvision

Abel Gance nannte das in Napoleon (1927) benutzte Dreifach-Projektions-Verfahren Polyvision. Gebräuchlich ist auch die Bezeichnung triple écran. Neben der Hauptleinwand befanden sich zwei Nebenleinwände, die in insgesamt vier Dreibildsequenzen (Triptychen genannt) mit eigenen Projektoren bespielt wurden. Insbesondere in der Schlussszene zeigte das Triptychon nicht nur einen gegenüber dem einfachen Bild wesentlich erweiterten Handlungsraum – darin ein Vorgriff auf die Breitwandformate –, sondern komponierte auch einen gleichzeitigen Blick auf verschiedene Geschehnisse – darin wieder manchen artifiziellen Verwendungen des split screen verwandt. Das Verfahren blieb auf die Pariser Premierenveranstaltung beschränkt. Der Film wurde sonst unter Verzicht auf die beiden Seitenleinwände ausgewertet. Drei der vier Triptychen hat Gance wohl 1959 selbst zerstört. Erst 1981 kam es unter der Schirmherrschaft von Francis Ford Coppola zu einer – allerdings gegenüber dem Original gekürzten – Wiederaufführung.

Literatur: Brownlow; Kevin: Napoléon: Abel Gance‘s classic film. New York: Knopf 1983. – King, Norman: Abel Gance: A politics of spectacle. London: British Film Institute 1984.

Referenzen:

Split Screen


Artikel zuletzt geändert am 26.07.2011


Verfasser: HJW


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