Lexikon der Filmbegriffe

Intrigenspiel

Motiv und Handlungsmuster zugleich, das eigentlich für die Bühne entworfen wurde, wo bevorzugt Intrigen in höfischen Zusammenhängen gezeigt wurden. Voraussetzung für Intrigenspiele ist ein Milieu oder eine Institution mit spezifisch hierarchischem Gefüge oder jedenfalls ein überschaubares Figurenmosaik oder Gruppenporträt von konkurrierenden Individuen, die sich gegenseitig zu Fall bringen wollen und dabei mit- und gegeneinander paktieren. Zu den wiederkehrenden, für Intrigen geradezu prädisponierten Motiven gehören das Theatermilieu (im Grunde aber Künstlerberufe überhaupt), die Aristokratie, aber auch die oberen Etagen von Finanz und Politik. Weitere Merkmale sind die oft stattliche Menge gleichberechtigter Hauptfiguren, die Tendenz zur Dialoglastigkeit der Handlung sowie die Ambivalenz der Sympathiebildung, da Intriganten männlichen und weiblichen Geschlechts typischerweise schillernde Charaktere sind.

Beispiele: Sommarnattens leende (Schweden 1955, Ingmar Bergman); Les Liaisons dangereuses (Frankreich 1959, Roger Vadim); Faraon (Polen 1965, Jerzy Kawalerowicz); Dangerous Liaisons (Großbritannien/USA 1989, Stephen Frears).

Literatur: Bahr, Hans-Dieter (1987) Das Wuchern der Schlinge. Zur Ästhetik der Intrige. In: Jahrbuch für Ästhetik 2, 1987, S. 134-171. – Dieterle, Arnulf: Strukturelemente der Intrige in der griechisch-römischen Komödie. Amsterdam: Gruener 1980. – Matt, Peter von: Ästhetik der Hinterlist. Zu Theorie und Praxis der Intrige in der Literatur. München: Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung 2002. – Pourroy, Gustav Adolf: Das Prinzip Intrige. Über die gesellschaftliche Funktion eines Übels. Zürich: Ed. Interfrom 1986.


Artikel zuletzt geändert am 15.07.2011


Verfasser: PB


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