Lexikon der Filmbegriffe

Monopol / Oligopol / Polypol

von lat. monopolium, griech. monopolion = Recht des Alleinhandels, Alleinverkauf; griech. pollein = verkaufen; griech. oligos = wenig; griech. poly = viel

Monopol, Oligopol und Polypol sind Begriffe aus der Markttheorie.

– Unter einem Monopol versteht man eine Marktsituation, in der nur ein Anbieter oder Nachfrager die Preise in einem Marktsegment kontrollieren kann. Man unterscheidet Angebots- und Nachfragemonopole – im ersteren Fall gibt es nur einen Anbieter, der den Markt beherrscht, im letzteren dagegen nur einen Abnehmer, der den Produzenten Konditionen auferlegen kann. Im Film herrschte in Teilbereichen immer wieder eine Situation, die an ein Angebotsmonopol heranreichte, etwa unter den Konditionen einer zentralisierten Filmproduktion wie in manchen Diktaturen; auch Nachfragemonopole existieren, wenn etwa für den Schulfilm nur das staatliche Schulmonopol auftreten kann.
– Ähnlich differenziert man Oligopole in Märkte mit wenigen Anbietern und einer großen Zahl von Nachfragern (Angebotsoligopol) oder wenigen Nachfragern und vielen Anbietern (Nachfrageoligopol oder Oligopson). Bei genau zwei Anbietern bzw. Nachfragern spricht man von einem Duopol. Ein Oligopol ist homogen, wenn die angebotenen Güter aus Sicht der Kunden einander perfekt substituieren, also gleichwertig sind – es bestehen darum keine Präferenzen für Güter unterschiedlicher Anbieter; es ist heterogen, wenn die angebotenen Güter einander nur in begrenztem Maße ersetzen könnten. Insbesondere die Marktmacht der Hollywood-Studios formierte sich als ein über Jahrzehnte stabiles Oligopol, weil die Firmen nicht nur die Produktion (Studios), sondern auch die Distribution der Filme (durch zum Teil große Theaterketten) kontrollierten. Gleichwohl blieben die oligopolistischen Tendenzen der Filmindustrie in Hollywood bis heute bestimmend – die wenigen großen Studios in den USA bildeten seit den 1920er Jahren die erste Medienindustrie, die global die Märkte zu beherrschen begann. Der Erfolg ist ungebrochen, denn die Verkäufe im Ausland haben die Einnahmen auf dem amerikanischen Heimmarkt seit langem überholt. Schon jetzt stammen rund zwei Drittel aller Umsätze mit ausländischen Fernsehfilmen im Weltfilmhandel aus Nordamerika.
– Ein weitgehend freier Markt, auf dem viele Anbieter mit vielen differenzierten Produkten sich um viele Abnehmer bemühen, wird Polypol genannt. Er gilt als Ideal einer freien Marktwirtschaft und als Bedingung für eine Regulation von Preisen und Produktqualitäten aus sich selbst heraus. Darum wird es manchmal auch als „vollkommener Markt“ bezeichnet.

Von Beginn der Filmwirtschaft an gab es erkennbare Tendenzen, immer wieder neue Monopole zu bilden, wie aber auch Gegentendenzen, die monopolistische und oligopolistische Strukturen zu zerschlagen suchten. Als einer der größten Erfolge gilt das sogenannte „Paramount-Urteil“, mit dem der Oberste Gerichtshof 1948 verfügte, dass die großen Studios sich von ihren Kinoketten trennen mussten. Daneben sind aber auch nationale Maßnahmen zu sehen, die eigenen Märkte gegen die amerikanische Übermacht abzuschotten.

Literatur: Balio, Tono (ed.): The American Film Industry. Rev. ed. Madison: University of Wisconsin Press 1985. Zuerst 1976. – Emmerich, Volker: Der Wettbewerb der öffentlichen Hand, insbesondere das Problem der staatlichen Versorgungsmonopole. Dargestellt am Beispiel der Produktion des Instituts für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht in München. Ein Rechtsgutachten. Frankfurt: Athenäum 1971. – Prokop, Dieter: Der Kampf um die Medien. Das Geschichtsbuch der neuen kritischen Medienforschung. Hamburg: VSA-Verlag 2001, S. 240-468.

Referenzen:

Oligopol

Paramount Case

Trust

vertikale Integration


Artikel zuletzt geändert am 08.02.2012


Verfasser: JH


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