Lexikon der Filmbegriffe

Pikareske

engl.: picaresque; von span. picaro (als Eigenschaft: picaresco) = Schelm, Gauner, Vagabund

Der Begriff stammt aus der Literaturwissenschaft und bezeichnet den Schelmenroman, der im Spanien des 16. Jahrhunderts entstand. Auch im Film oft als fiktive Autobiografie und folgerichtig als Icherzählung konzipiert, basiert die Erzählstruktur auf einem Nummernprinzip, wobei die einzelnen Episoden nur durch den Helden miteinander verbunden sind. Er ist Zentrum und Bezugspunkt der Pikareske, vereinigt den Typ des Abenteurers und Weltklugen, des Außenseiters und Lebenskünstlers, des Einfältig-Naiven und Habenichts in sich. Immer auf Reisen durch diverse Länder und soziale Schichten, besteht er dank Geistesgegenwart und Erfindungsgabe zahlreiche Abenteuer. Er vertritt die Lebensideologie von der Unzulänglichkeit alles Menschlichen und betrachtet die Welt als Bühne, auf der mehr schlechte als rechte Inszenierungen stattfinden. Der Grundton der Pikareske ist ungeschminkt-realistisch, und in ihren Schilderungen erhebt sie – zwischen Satire und Klamauk pendelnd – den Anspruch auf eine vielfach pessimistische, aber didaktische Gesellschaftskritik. Der nah verwandte Abenteuerfilm kommt ohne pikareske Hauptfigur und gesellschaftskritische Ansätze aus, ist dafür aber fast immer in exotischem Gelände angesiedelt.

Beispiele: Casanova (Frankreich 1927, Alexandre Volkoff); Münchhausen (Deutschland 1943, Josef von Baky); Tom Jones (Großbritannien 1063, Tony Richardson); L‘Armata Brancaleone (Italien 1965, Mario Monicelli).

Literatur: Dassanowsky-Harris, Robert: The Southern journey: Candy and The Magic Christian as cinematic picaresques. In: Studies in Popular Culture 15,1, 1992, S. 95-111.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: PB


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