Lexikon der Filmbegriffe

Provinz

„Provinz“ oder genauer „Provinzialität“ meint keine bestimmte Landschaft und schon gar nicht eine geographisch eindeutig lokalisierbare Gegend. Letztlich geht es um spezifische Lebens- und Denkzusammenhänge, die fern von großstädtisch-kosmopolitischem Lebensgefühl zu verorten sind und sich häufig durch Attribute wie ‚konservativ‘, ‚rückständig‘, ‚traditionalistisch‘, ‚kleinbürgerlich‘, ‚spießig‘, ‚engstirnig‘ und ‚langweilig‘ ausdrückt – aus der Sicht der Provinz aber oft auch durch eine bewusst antistädtische Haltung. Dem Begriff ist daher meist eine negative Wertung und damit eine Kritik zugeordnet, die als rigorose Ablehnung einer als defizitär empfundenen Lebensart daherkommen kann, als beißender Spott oder als mildes (aber überhebliches) Belächeln von Kleinstadt und kleinen Leuten. Fluchtpunkt und Gegenentwurf dieser Haltung ist die Großstadt samt allen damit verknüpften (und in diesem Fall natürlich positiv empfundenen) Konnotationen. In der Dramatisierung werden oft provinzielle und urbane Lebensformen gegeneinander getrieben, und es zeigt sich dann in der Konfrontation der Lebenswelten und -haltungen eine latente Gewaltbereitschaft, die den einzelnen u.U. rigoros ausgrenzt. Provinzialismus äußert sich gelegentlich als äußerst moderierte Alltagsform, die an Weltfremdheit und Naivität grenzt (wie in Mr. Smith Goes to Washington, 1939, Frank Capra), die Extreme meidet und die gerade darum militante Abwehrreaktionen bereithält, in der es aber auch immer wieder Ausbruchs- und Widerstandspotentiale gibt (wie jüngst in Schultze Gets the Blues, 2003, Michael Schorr).

Beispiele: The Stranger (USA 1946, Orson Welles); Cristo si è fermato a Eboli (Italien 1982, Francesco Rosi); Madame Bovary (Frankreich 1991, Claude Chabrol); The Shoe (Lettland 1997, Laila Pakalnina).

Referenzen:

bäuerliches Leben

Dorf

Hixploitation

Landleben

small town movie


Artikel zuletzt geändert am 10.02.2012


Verfasser: PB JH


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