Lexikon der Filmbegriffe

Dunning-Verfahren

engl.: Dunning process

Wie bei den Auf- und Rückprojektions- oder bei den Chromakeyverfahren verschiedene Bilder zu einem einzigen synthetisiert werden, war auch das 1927 patentierte, von C. Dodge Dunning und seinem Vater Carroll H. Dunning von der Prizma Color Process Company entwickelte Dunning-Verfahren dazu da, Schauspieler vor einem Hintergrund zu filmen, vor dem sie tatsächlich gar nicht gewesen sind. (Ein ähnliches Verfahren wurde übrigens schon am 2.3.1923 in Deutschland patentiert.) Zunächst wurden die geschwärzten Teile des Positivs der Hintergrundszene, vor der einmal die Akteure handeln sollten, in einem Bleichbad transparent resp. gelblich-orange eingefärbt. Dann wurde der Orangefilm in einer Bipack-Kassette vor den zu belichtenden Negativfilm platziert. Die Darsteller agierten inmitten der Vordergrunddekoration, wurden dabei von Gelb-Orange-Licht beleuchtet; der Hintergrund bestand aus einer Leinwand, die blau beleuchtet wurde. Beide Szenen – der zuvor aufgenommene Hintergrund und die Akteure im Gelblicht – wurden nun auf den Rohfilm belichtet. Das blaue Licht kopierte bei der Aufnahme gewissermaßen das gelbe Virage-Positiv auf den Film. Gleichzeitig jedoch wurde der blaue Strahlengang durch die Darsteller unterbrochen. Das Licht ihrer gelb beleuchteten Körper durchdrang das gelbe Virage-Positiv und bildete sie gleichfalls auf dem Film ab.
Eine erste sensationelle Aufnahme nach dem Verfahren findet sich in Silver King Comes Through (1927) – ein Pferd sprang über einen Zug. Vor allem die Tarzan-Filme, aber auch King Kong (1933) wurden zu Teilen im Dunning-Verfahren realisiert, auch wenn immer wieder Probleme (vor allem: durchscheinende Vordergründe) auftraten. Mit dem Farbfilm verschwand das Verfahren – dafür konnte es nicht verwendet werden, erforderte es doch farbiges Licht; an seine Stelle traten die Rückprojektion und die Maskenaufnahme. 


Artikel zuletzt geändert am 03.08.2011


Verfasser: RGI


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