Lexikon der Filmbegriffe

Message Movie

auch: message film

Subgenre des Melodramas, gelegentlich auch anderer Genres, das erkennbar dazu dient, eine Botschaft zu verbreiten oder eine Lektion zu erteilen, sei sie moralischer, politischer oder sozialer Natur. Oft wird der Begriff pejorativ gebraucht, um Filme als „unkünstlerisch“ oder „befangen“ zu brandmarken, in denen eine oft grobschlächtige Moralisierung des Geschehens über die Erzählung der Geschichte oder die Darstellung der Charakterentwicklung die Überhand gewinnt. Message Movies zeichnen sich häufig durch holzschnittartige Vergröberung der Figuren und Drama aus; komplexe Sujets wie Armut, Ausbeutung, Arbeitskampf, Krieg, Sexismus, Rassismus, Krankheit, Sucht werden dabei klischeehaft und rabiat vereinfachend behandelt.
Das Kino als Plattform für Propaganda, Volksaufklärung, moralische Erziehung zu benutzen, ist als Idee so alt ist wie das Kino. Das Message Movie fand mit David W. Griffith einen frühen Meister, der schon mit engagierten kurzen Filmen wie A Corner in Wheat (1909) oder What Shall We Do With Our Old? (1911) massiv mit der Betroffenheit und Verantwortung von Zuschauern zu interagieren begann. Filme wie The Fatal Glass of Beer (1933) mit W.C. Fields machen sich recht grob über diese Art von Filmen lustig. Gleichwohl blieb der moralistische Impetus beim Drehen wirksam, Regisseure und Produzenten wie Cecil B. DeMille oder Charles Chaplin zeigten immer wieder, dass Filme zu einem säkularisierten Pastoral-Programm von Aufklärung gehörten. In den 1950er und 60er Jahren erlebte die Gattung mit Filmen von Elia Kazan (On the Waterfront, 1954) und vor allem Stanley Kramer (Judgement at Nuremberg, 1961) einen Höhepunkt, bevor sie in die Produktionssphäre des Fernsehens abwanderte. Message Movies sind heute selbst zu Themen wie Drogengebrauch, Promiskuität, Vergewaltigung oder Gewalt in der Familie im Kino Rarissima.

Literatur: Cripps, Thomas: Making movies black. The Hollywood message movie from World War II to the civil rights era. New York: Oxford University Press 1993.

Referenzen:

Apolog

escape film – message film

Fabel: Gattung

Thesenfilm

very special episode


Artikel zuletzt geändert am 09.03.2014


Verfasser: HJW


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