Lexikon der Filmbegriffe

politischer Essayfilm

Variante des Essayfilms, der als Autorenfilm par excellence nicht verpflichtet ist, zwischen den Elementen des Dokumentar- oder Spielfilms, des Lehrfilms oder Interviews zu unterscheiden, da er alle in sich enthalten kann. Der politische Essayfilm ist ein Versuch (essay), ein bestimmtes politisches Thema zu erschließen. Dabei verzichtet er auf eine kausal begründete Handlung, durchgehende Figurenzeichnung oder argumentative Stringenz. Vielmehr ist er bewusst fragmentarisch, erzeugt Verunsicherung und bindet das Publikum in die Deutungsarbeit mit ein. Seine Offenheit erlaubt es, eine Fragestellung aus vielen Perspektiven zu reflektieren und zu disparaten – inhaltlichen und formalen – Elementen zu greifen. Typischerweise stellt er einen seinem Thema angemessenen, überpersönlichen Zusammenhang dar, der räumlich und zeitlich den Erfordernissen des jeweiligen Themas angepasst ist. Er arbeitet mit Polarisierungen und Analogien und ist oft nach dem Prinzip der Reihung strukturiert.

Beispiele: Obyknowenny faschism (UdSSR 1965, Michael Romm); Allemagne année 90 – neuf zéro (Frankreich 1991, Jean-Luc Godard); Lumumby - La mort d‘un prophète (Schweiz 1992, Raoul Peck).


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: PB


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