Lexikon der Filmbegriffe

Biophon

Der Begriff Biophon wurde in Zusammenhang mit Oskar Messters „Tonbildern“ benutzt, die Messter zum ersten Mal am 29.8.1903 im Apollo-Theater in Berlin vorführte. Léon Gaumont hatte fast gleichzeitig ein ähnliches Tonfilmsystem entwickelt, genannt Chronophon. Bei den Tonbildern handelte es sich um stumme Filme, die mit Musik oder Ton von einem Plattenspieler gezeigt wurden, wobei Messter den zuvor handbetriebenen Vorführapparat motorisierte, um ihn mit dem Plattenspieler zu synchronisieren. Messter baute Biophon-Kinos in Berlin und weiteren deutschen Städten. Das Geschäft blühte. Im Jahre 1904 stellte Messter ein Biophon-Theater auf der St. Louis-Weltausstellung auf und zeigte dort eigens diese Gelegenheit hergestellte englischsprachige Filme. Die Biophonfilme erreichten die Höhe ihrer Popularität um 1908, so dass in dem Jahr 90% der Messter-Produktion dieser Art von Filmen gewidmet war. Doch es tummelten sich bald weitere Anbieter auf dem Markt, so dass Messter schon 1909 die Produktion von Tonbildern drastisch einschränkte und ca. 1912 ganz einstellte. Messter drehte ca. 500 Tonfilme, viele mit berühmten Theaterschauspieler und Opernsängern wie etwa Otto Reutter, J. Giampietro und Robert Steidl; doch die Qualität des Tons ließ bis zum Auslaufen der Produktion zu wünschen übrig, da man weder Verstärker für größere Kinos noch ausreichende Lautsprecher erfunden hatte. Nur wenige Beispiele sind noch erhalten.

Literatur: Loiperdinger, Martin (Hrsg.): 100 Jahre Kino. Ausstellungskatalog „Oskar Messter – Filmpionier der Kaiserzeit“. Basel/Frankfurt: Stroemfeld 1994, S. 48ff (KINtop Schriften. 2.).

Referenzen:

Chronophon

Kino-Deklamazije

Phonoscènes


Artikel zuletzt geändert am 14.01.2012


Verfasser: JCH


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