Lexikon der Filmbegriffe

Cautio-Treuhandgesellschaft

Um die Kontrolle über die gesamte Filmwirtschaft zu erlangen, wurde 1935 eine staatliche Scheinfirma mit dem Namen „Cautio-Treuhandgesellschaft” gegründet. Die Firma hatte den Auftrag, alle Filmfirmen, Verleihe und Kinos aufzukaufen, um ein großes zentralisiertes Staatskinowesen zu erschaffen. Als Vertreter der Cautio trat der Reichsbeauftragte für den deutschen Film, Max Winkler, auf. Dieser Vorgang dauerte von 1935 bis 1942, und es wurden Firmen wie die „Ufa“ (die am 6.3.1937 in Staatsbesitz überging), „Terra“, „Tobis“, die „AB-Film AG“ aus Prag, die „Continental Film“ aus Paris und die „Internationale Tobis-Cinema“ mit Sitz in Amsterdam (schon 1935 erwarb Cautio 78% ihrer Aktien) aufgekauft. Mit dem Erwerb der Tobisfilm gingen sogar Anteile von „Warner Bros. Inc.“ in die Cautio-Treuhandgesellschaft über. Es wurde nicht nur versucht, das deutsche Kino zu kontrollieren, sondern auch im Ausland präsent zu werden, um dort NS-Propaganda und Unterhaltung zu verbreiten. Während des Krieges wurden auch in den besetzten Gebieten die Filmfirmen und Kinos konsequenterweise von der „Cautio“ übernommen. Schnell war im Krieg ein weit verbreitetes Netz aus NS-Filmfirmen und Kinos über Europa verteilt. Am 28.2.1942 wurde die Dachgesellschaft „Ufa-Film GmbH“ für alle deutschen Gebiete gegründet, es gab keine unabhängigen Filmfirmen mehr, die Cautio hatte ihren Dienst getan.


Artikel zuletzt geändert am 02.08.2011


Verfasser: JH


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