Lexikon der Filmbegriffe

multiple Diegese

Dramaturgische Struktur, die zwei oder mehr gleichwertige oder sogar unabhängig voneinander existierende Erzählebenen umfasst. Paradebeispiel ist Karel Reisz‘ The French Lieutenant's Woman (Großbritannien 1981), in dem auf der einen Ebene die Liebesgeschichte zwischen zwei Filmschauspielern stattfindet, auf der anderen der Film, den sie gerade drehen. Obwohl die eine Ebene (der Film) aus der anderen (den Dreharbeiten) hervorgeht, beide von den gleichen Darstellern getragen werden und eine Geschichte auf die andere zurückfärbt, handelt es sich um zwei getrennte Diegesen, die in verschiedenen filmischen Universen ablaufen. Multiple Diegesen sind genau genommen schon bei Rahmenhandlungen gegeben, wenn eine unabhängige Geschichte in eine andere eingebettet ist (jemand erzählt eine Geschichte = jemand bringt eine Diegese hervor). In der Rückblende wird dagegen nur die Zeitebene, nicht aber das fiktionale Universum verlassen.

Beispiele: Sodom und Gomorrha (Österreich 1922, Mihály Kertész [= Michael Curtiz]); La Double Vie de Véronique (Polen/Frankreich 1991, Krysztof Kieslowski).

Referenzen:

mirroring


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: PB


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