Lexikon der Filmbegriffe

National Film Board of Canada (NFB)

auch frz.: Office national du Film

Im Jahre 1939 wurde der englische Filmdokumentarist John Grierson als „Film Commissioner“ für Kanada berufen, wo er das National Film Board of Canada gründete. Neben kriegswichtigen Propagandafilmen entstanden unter der Leitung des 1941 eingestellten Zeichentrickfilmers Norman McClaren auch Animationsfilme. Nach Griersons Abgang im Jahre 1945 musste das NFB einige Krisenjahre durchstehen, da die Regierung die Autonomie der Organisation in Frage stellte. Das NFB betrieb von Beginn an (bis heute) einen eigenen Verleih. Im Jahre 1950 verabschiedete das National-Parlament ein „National Film Act“, der die Befugnisse des NFB festlegte, es einem einzigen Minister unterstellte und die Leitung der Institution einem Direktorium zuwies. Im Jahre 1955 konnte NFB das größte amerikanische Filmatelier außerhalb Hollywoods eröffnen. Dort wurden wissenschaftliche Filme, Dokumentarfilme, Animationsfilme sowie Wochenschauen im Namen der Regierung hergestellt, die aber nicht nur Zweckfilme waren, sondern einen hohen künstlerischen Wert vorwiesen; schon bald gewannen die Filme zahlreiche Presse bei Filmfestivals. Im Jahre 1964 wurde die Produktion nach Sprachen (Französisch/Englisch) aufgeteilt. Ein Brand in Montréal im Jahre 1967 zerstörte einen Großteil des Filmarchivs und führte zur Gründung des National Film Archive of Canada. Im Jahre 1971 wurde auch die Spielfilmproduktion – mit Claude Jutras Mon Oncle Antoine als erstem Projekt – angekurbelt. Seit seiner Gründung sind mehr als 4.000 Filme und TV-Sendungen entstanden (Stand: 2003).

Literatur: Evans, Gary: In the national interest. A chronicle of the National Film Board of Canada from 1949 to 1989. Toronto [...]: University of Toronto Press 1989; repr. 1991. – Nelson, Joyce: The colonized eye: rethinking the Grierson legend. Toronto, Ontario: Between the Lines 1988.


Artikel zuletzt geändert am 20.07.2011


Verfasser: JCH


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