Lexikon der Filmbegriffe

Shepperton Studios

1931 kaufte der schottische Kaufmann Norman Loudon das nahezu 60ha große Areal „Littleton Park“ kaufte, der mit seiner Firma Flicker Productions höchst erfolgreiche „flicker books“ (Daumenkinos) produziert hatte. Er gründete 1932 die Sound City Film Producing & Recording Studios und produzierte noch im Gründungsjahr Watch Beverley (1932) und Reunion (1932). Ende 1934 wurde deutlich, dass das Studio vergrößert werden musste, und öffnete 1936 erneut mit sieben Tonbühnen, zwölf Schneideräumen und drei Kinosälen. In dem älteren Studio-Bau war ein Hotel und ein Restaurant untergebracht. French Without Tears (1939) wurde der wohl bekannteste Vorkriegsfilm des Studios. Im Krieg war der Aufnahmebetrieb erheblich gestört, weil nicht nur die Bombardements der nahegelegenen Flugzeugfabrik Vickers-Armstrong zu permanenten Drehunterbrechungen zwangen, sondern auch, weil das Kriegsministerium die Bühnen-Crew des Studios für den Bau von Flugzeugattrappen einsetzte. 1945 nahm das Studio mit sechs Bühnen den Betrieb wieder auf. Alexander Kordas London Film Productions übernahm 1946 die Mehrheit der Anteile an Loudons Firma, die in British Lion Studio Company umbenannt wurde. Trotz großer Anfangserfolge geriet die Firma in den 1950ern in Schwierigkeiten – 1955 trat British Lion Films Limited das Erbe der bankrotten Vorfirma an. In der Folgezeit entstanden eine ganze Reihe unabhängiger Produktionen in den Studios – und auch eine ganze Reihe der Filme des kitchen sink cinema (Room At The Top, 1958; A Kind Of Loving, 1962; Darling; 1965) entstanden in Shepperton. Das internationale Interesse an den Studios wuchs, weil Filme wie die Pink-Panther-Filme, Day Of The Jackal (1973) oder Gandhi (1982) die internationalen Produktionsstandards unter Beweis stellten. Lee International kaufte das Studio 1984 für 3,6 Millionen £, baute es 1987 in Teilen um. Der internationale Rang blieb erhalten, Filme wie The Missionary (1982), Passage To India (1984) oder die neueren The Crying Game (1992) und Mary Shelley‘s Frankenstein (1994) unterstrichen dies. Die Brüder Ridley und Tony Scott übernahmen Shepperton im Januar 1995, übergaben ihre Anteile 2001 an die Pinewood-Studios, die Shepperton als eigenständige Firma weiterführen.

Literatur: Threadgall, Derek: Shepperton Studios. An independent view. London: British Film Institute 1994. – Warren, Patricia: British film studios. An illustrated history. London: Batsford 1995.


Artikel zuletzt geändert am 20.07.2011


Verfasser: JH


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