Lexikon der Filmbegriffe

Triergon-Verfahren

Im Oktober 1918 begann die Triergon-Erfindergruppe um Hans Vogt, Jo Engl und Joseph Massolle mit der Arbeit, ein Tonfilmverfahren zu entwickeln. Sie stützten sich dabei auf eine Erfindung des deutschen Physikers Ernst Ruhmer aus dem Jahre 1901, der entdeckt hatte, dass es möglich war, Schallwellen als „Sprossenschrift“ fotografisch auf Film aufzuzeichnen. Ruhmer arbeitete mit der von Hermann Theodor Simon 1897 konstruierten „sprechenden Bogenlampe“ als Lichtsteuergerät. Vogt, Engl und Massolle machten es sich zur Aufgabe, sämtliche Komponenten für ein Lichttonverfahren inklusive der dazu benötigten Verstärker, Lautsprecher und Mikrophone selbst zu entwickeln. Sie konstruierten als Aufnahmeorgan ein neuartiges Mikrophon, das sogenannte Kathodophon, eine spezielle schallempfindliche Glimmlampe, die sie Ultrafrequenzlampe nannten, eine geeignete photoelektrische Zelle als Licht-Strom-Umwandler für die Wiedergabe, sowie einen neuartigen trichterlosen Lautsprecher, das Statophon. Darüber hinaus entwickelten und fabrizierten die Erfinder Verstärkerröhren, deren Herstellung später an Siemens & Halske abgegeben wurde. Am 17.9.1922 kam es im Berliner Lichtspieltheater „Alhambra“ zur ersten deutschsprachigen Lichttonfilm-Vorführung nach dem Triergon-Verfahren. Die Premiere, an der rund 1.000 Personen teilnahmen, war ein voller Erfolg. Doch weder Filmgesellschaften noch andere Geldgeber zeigten Interesse an dem neuen Medium. Die Erfinder sahen sich schließlich gezwungen, ihre Erfindung mitsamt Gerätschaften und Patentbesitz im Juni 1923 an eine Schweizer Finanzgruppe zu verkaufen und agierten von jetzt an lediglich als technische Berater der Triergon AG St. Gallen.

Literatur: Wulff, Hans J. / Schumacher, Olaf: Warner, Fox und die Anfänge des Tonfilms. In: Medienwis­senschaft. Ein internatio­nales Hand­buch der Medien­technik, Mediengeschichte, Medienkommuni­kation und Medienästhe­tik. / Media: Technology, History, Communication, Aesthe­tics. A Handbook of International Research. 2. Berlin/New York: de Gruyter 2001, S. 1197-1208.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: OSC HJW


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