Lexikon der Filmbegriffe

Swissorama

Das Swissorama genannte 360°-Filmaufnahme- und Projektionsverfahren wurde von dem Schweizer Filmemacher Ernst A. Heiniger in Zusammenarbeit mit dem Ingenieur Walter Dätwyler entwickelt und 1984 mit dem Film „Impressionen der Schweiz“ im Verkehrshaus der Schweiz (Luzern) das erste Mal öffentlich präsentiert. Inspiriert von bestehenden 360-Grad-Multikamera-/Multiprojektorsystemen wie Cinéorama (Weltausstellung Paris 1900) und Circarama (Disneyland 1955) wurde für Swissorama eine neue Technik entwickelt, mit der 360-Grad-Filme mit nur einer Kamera aufgenommen und entsprechend mit einem Projektor vorgeführt werden konnten. Die 65mm-Kamera wurde dabei mit einem extrem weitwinkligen, im Zentrum abgedeckten Fischaugenobjektiv ausgerüstet. Für die Aufnahmen wurde dem Stativ ein Plexiglaszylinder aufgesetzt, der die Kamera mit erdwärtsgerichtetem Objektiv trug. Der 70mm-Projektor wurde in der Mitte durch die Decke des Vorführraums mit nach unten gerichtetem Objektiv eingelassen und war mit einer gleichen Linse ausgestattet. Die aufgenommenen Bilder konnten nahtlos und verzerrungsfrei auf die zylindrische Leinwand von 5m Höhe und über 60m Länge projiziert werden. Das Swissorama im Verkehrshaus der Schweiz hatte einen Durchmesser von ca. 20m und Platz für 400 stehende Zuschauer.
Nachdem sich geplante Nachfolgeprojekte für weitere Swissoramen nicht realisieren ließen, arbeitete Ernst A. Heiniger ab 1986 mit Iwerks Entertainment in Los Angeles zusammen. Nach Überarbeitung von Kamera und Projektor wurde das System unter dem neuen Namen Imagine 360 für eine Handvoll weiterer Filme verwendet, die überwiegend auf großen internationalen Ausstellungen zu sehen waren.
Das Swissorama in Luzern wurde im Frühjahr 2002 geschlossen und durch ein anderes Exponat ersetzt. 


Artikel zuletzt geändert am 22.07.2011


Verfasser: LP


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