Lexikon der Filmbegriffe

Nagra

Nagra (bzw. genauer: Nagra - Kudelski Group) wurde als Hersteller von Tonbandgeräten mit dem ersten Gerät (Nagra I) 1951 in Cheseaux in der Nähe von Genf gegründet. Nagra baute den ersten tragbaren, batteriebetriebenen Tonband-Rekorder, der 1958 von Stefan Kudelski vorgestellt wurde und ab 1959 als „Nagra III“ vermarktet wurde. Zum Einsatz kam dreiviertelzoll-breites Magnetbandmaterial. „Die Nagra“ blieb über viele Jahre ein Standardgerät vor allem für dokumentarische O-Ton-Aufnahmen (neben dem billigeren und leichteren „Uher-Report“). Kudelski erhielt 1965 einen „technischen Oscar“ für seine Entwicklung. 1965 wurde außerdem der erste miniaturisierte Tonband-Rekorder vorgestellt (das kleinste Spulen-Tonbandgerät der Welt – Nagra SN, später: SNST), der lange als Geheimdiensttechnologie im Agentenfilm auftauchte. 1992 eröffnete das DAT-Gerät Nagra-D den Übergang ins digitale Zeitalter.
Heute umfasst die Kudelski Group Abteilungen für Digital-TV, Audio und touristische Buchungs-und Ticketsysteme. Das größte Gewicht kommt der Fernseh-Abteilung (NagraVision) zu. 1984 kam der erste Videorekorder (VPR-5) der Firma in den Markt. Als Canal+ 1989 das Abrechnungssystem für Pay-TV von Nagra kaufte, war der Wechsel ins TV-Geschäft vollzogen – es waren 1991 bereits 1 Million Analog-Dekoder verkauft, als André Kudelski den Firmengründer, seinen Vater Stefan, ablöste. Echo-Star orderte 1995 NagraVision und öffnete so den amerikanischen Markt für die Nagra-Produkte. 2003 schloss sich auch Premiere NagraVision an.


Nagra beteiligte sich an zahlreichen TV-Projekten, übernahm Konkurrenten und sprach erst 2002 die erste Gewinnwarnung der Firmengeschichte aus. Dennoch gehört sie mit einem Jahresumsatz von weit über 500 Millionen Sfr (2003) zu den größten Technikanbietern im Umkreis moderner Satelliten- und Kabel-Verbreitungs-Technologien.


Artikel zuletzt geändert am 20.07.2011


Verfasser: HHM


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