Lexikon der Filmbegriffe

Thesenfilm

engl.: message movie; frz.: film à thèse

Die Bezeichnung „Thesenfilm“ ist eher dem allgemeinen Sprachgebrauch zuzuordnen als einer Gattungslehre des Films und meint einen Film, der „vom Kopf her“, nicht von seiner Geschichte, den Figuren, dem dramatischen Konflikt oder den Phänomenen der erzählten Welt geleitet und strukturiert ist. Thesenfilme sind tendenziell propagandistische Filme, die eine vor dem Film schon festliegende These illustrieren und sich nicht auf die Beispiele und die Vielfalt des praktischen Lebens resp. der Geschichten einlassen.
Eingeführt ist der Terminus in kritischen Medientheorien, wird aber auch in journalistisch-kritischer Beschäftigung immer wieder bemüht – und dann als Vorwurf gegen Filme gesetzt, denen gewisse künstlerische Qualitäten damit abgesprochen werden. Thesenfilme sind in einem recht strikten Sinne Teil eines begrifflichen Diskurses, gehören der politischen Kommunikation (in einem weiten Sinne) an, sind Teil von Aufklärungskampagnen, dienen der Kenntlichmachung von weltanschaulichen Standpunkten, sind Teil gesellschaftlicher Aufklärung. Gut gemeint oft, aber eben auf der Seite der Entfaltung der narrativen, moralischen und künstlerischen Potentiale eines Themas beschnitten.
Es geht darum, in expliziter Weise für oder gegen etwas Stellung zu nehmen: gegen die Diskriminierung von Minderheiten, gegen Militarismus, für die Rehabilitation von Straffälligen etc. Im Unterschied zum herkömmlichen Erzählkino mischen viele Thesenfilme dokumentarisches mit fiktionalem Material oder arbeiten mit direkter Adressierung des Publikums. Doch selbst wenn sie von solchen Mitteln absehen, zeichnen sie sich durch eine argumentative Aufbereitung der Handlung aus: Handlungsalternativen werden parallelistisch dargestellt; die Konsequenzen, die sich aus verschiedenen Maßnahmen ergeben, werden ausdiskutiert; auf eine psychologisch ausdifferenzierte Anlage der Figuren wird oft verzichtet. Es entspricht dem Ziel des Thesenfilms, dass er seine Anliegen deutlich formuliert und daher viel Wert auf Transparenz und Unmissverständlichkeit legt – was ihn für plakative Tendenzen anfällig macht. 
 

Referenzen:

Apolog

escape film – message film

Fabel: Gattung

Message Movie


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: PB JH


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