Lexikon der Filmbegriffe

Turner Broadcasting System (TBS)

Ted Turner, der Gründer und Besitzer des Turner Broadcasting Systems, wurde bei der Fusion seiner Firma mit dem Time-Warner-Konzern mit 11% der Besitzanteile größter Einzelaktionär von Time Warner (und zugleich Vizepräsident des Konzerns). Außerdem erhielt er für die Transaktion 7,5 Milliarden US-$.
Turners Konzern nahm 1970 seinen Ursprung, als Turner mit der kleinen mittelständischen Werbeagentur seines Vaters so viel Geld erwirtschaftet hatte, dass er für 3 Millionen US-$ eine kleine lokale Fernsehstation in Atlanta (Kanal 17) kaufen konnte. Kanal 17 musste ein Kontrastprogramm zum Angebot der großen Networks (ABC, NBC, CBS) machen – Turner gab dem Kanal den Namen WTSG (der Fama folgend: Watch This Channel Grow!), wechselte die gesamte Belegschaft aus, kaufte Filme, Serien und Shows, die sich von der Konkurrenz unterschieden, und investierte viel in die Verbesserung der Übertragungsqualität. Turner pries sein Programm als sauber, sex- und gewaltfrei, patriotisch und konservativ an. Er kaufte die Übertragungsrechte an den Spielen des Baseball-Teams Atlanta-Braves, platzierte beliebte Unterhaltungssendungen zur selben Zeit wie die ABC-Nachrichten und ließ keine Chance aus, gegen die große Konkurrenz anzutreten. Bereits drei Jahre später machte die Lokalstation erstmals Gewinne. 1975 begann in den USA das Kabelfernsehen zu boomen und der neue Fernseh-Satellit Satcom I startete. Ted Turner nutzte die Chance, um aus der regionalen Beschränkung Atlantas herauszukommen. Er beschloss, seinen nun TBS getauften Sender (bzw. WTBS – das ,,W“ ist ein vorgeschriebenes Kürzel für alle Fernsehstationen östlich des Mississippi) zu einer sogenannten „Superstation“ zu machen, d.h. gleichzeitig über Satellit und Kabel zu senden. Am 27.12.1979 ging WTBS landesweit auf Sendung. Anfangs übertrugen nur 20 Kabelsysteme sein Programm, 1985 waren es bereits aber 4770 Netze.
Die Erweiterung des zunächst lokalen Programmanbieters zu einem der größten Fernsehkonzerne der Welt ging rasend schnell. Schon 1980 investierte Turner 50 Millionen US-$ zur Erweiterung seines Angebots, um den Nachrichtensender CNN (Cable News Network) aufzubauen, der am 1.6.1980 erstmals auf Sendung ging. CNN machte schon 1984 mit seinem Nachrichtengeschäft 5 Millionen US-$ Gewinn, der 1989 auf 180 Millionen US-$ gestiegen war. 1986 kaufte Ted Turner das Filmstudio MGM / United Artists für 1,4 Milliarden US-$. Durch die Filmrechte des Studios sollte eine Grundlage für den weiteren Ausbau des Fernsehnetzes gesichert werden. Doch mit dem Kauf übernahm sich TBS finanziell erheblich, so dass Anfang 1987 Time Warner und der größte US-Kabelnetzbetreiber TCI (Tele Communications Inc.) bei Turner Broadcasting System einstiegen. Turner verblieben nur noch 41,1% des Aktienkapitals und acht Sitze im 15köpfigen Aufsichtsrat von TBS. 1988 ging der Pay-TV-Sender Turner Network Television (TNT) in Gründung, der schon bald von den Sendern TNT Cartoon und TNT Latin America (beide gegründet 1991) sowie Turner Classic Movies (TCM, gegründet 1992) komplementiert wurde. 1993 kaufte TBS die Rechte an den MGM-Filmen vor 1948 auf.
Am 10.10.1996 fusionierte TBS (resp. die Dachgesellschaft Turner Entertainment, in der TBS die größte Teilfirma war) mit Time-Warner, die TBS-Subunternehmen gingen in den Time-Warner-Konzern ein.

Literatur: Goldberg, Robert / Goldberg, Gerald Jay: Citizen Turner. New York: Harcourt Brace & Company 1994.

Referenzen:

Cable News Network (CNN)


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HHM


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