Lexikon der Filmbegriffe

Rückprojektion

oft auch kurz: Rückpro; engl.: rear projection

Einer der wichtigsten Prozesse der Bildsynthese ist die sogenannte Rückprojektion. Dabei agieren die Akteure vor einer durchscheinenden Leinwand, auf die das zweite Bild von hinten projiziert wird. Als Rückprojektionsbild wurden meist Filmaufnahmen verwendet, es kamen gelegentlich aber auch Dias zum Einsatz. Anfangs der 1930er Jahre breitete sich das Verfahren schnell aus und wurde zu einer der Standardtechniken der Bildkomposition. Einige Filme gingen so weit, drei Viertel oder sogar vier Fünftel des gesamten Bildmaterials mittels der Rückpro zu erzeugen. Für das Studiosystem blieb die Rückpro bis Ende der 1940er Jahre ein dominanter Weg der Bildherstellung, was unter anderem damit zusammenhängt, dass der Ton auch dann kontrolliert werden konnte, wenn die Rückpro-Bilder eine belebte Stadt zeigten Ganz im Gegenteil – der Ton konnte komponiert und genau dosiert werden, so dass auch auf der Tonseite die Szene eigentlich synthetisch hergestellt wurde. Die Analogien zwischen der Ton- und der Bildbehandlung liegen auf der Hand. Sie wird bei Bildern, die einen Akteur und einen sich bewegenden Hintergrund zeigen, aber durchaus weiterhin verwendet – bei Jagdszenen, Dialogen im Auto, Flugzeug-Hintergründen oder auch exotischen Schauplätzen. Heute sind die Rückpro-Verfahren weitestgehend durch Verfahren der Aufprojektion, der travelling matte (der Wandermasken) und der Blue-Box-Bildmischung sowie durch elektronische Techniken der Bildverarbeitung abgelöst worden.

Literatur: Hüningen, James zu / Wulff, Hans J.: Rückprojektionen: Synthetische Bilder, perzeptueller Realismus, ästhetische Erfahrung. In: Medien und ihre Technik. Theorien - Modelle - Geschichte. Hrsg. v. Harro Segeberg. Marburg: Schüren 2004, S. 303-316.

Referenzen:

Aufprojektion

Dynamation

Rückprojektion: kleine Rückprojektion


Artikel zuletzt geändert am 07.02.2012


Verfasser: HJW


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