Lexikon der Filmbegriffe

Schärfentiefe

engl. deep focus; meist: depth of field; manchmal als Akronym: DOF; frz.: profondeur de champ

Tiefenschärfe
und Schärfentiefe stehen einander oft entgegen. Von manchen Autoren synonym gebraucht, trennen andere eine technische und eine ästhetische Redeweise. Die Schärfentiefe oder auch der Schärfenbereich ist derjenige Bereich vor und hinter der objektivseitig eingestellten vertikalen Entfernungsebene, innerhalb derer ein Motiv ausreichend scharf abgebildet wird; der Schärfentiefe-Bereich ist dabei umso größer, je größer die Blendenöffnung des Objektivs ist (und vice versa). Während Aufnahmen mit größer Schärfentiefe einen Raum präsentieren, in dem das Bildobjekt (der Protagonist z.B.) in klarer räumlicher Beziehung zu seiner szenischen Umgebung steht, wird er in Aufnahmen mit engem Schärfenfeld gegen seine Umgebung isoliert; zwar wird das zentrale Bildobjekt so gegen den Kontext deutlich herausgestellt, doch wirken die Bilder ausgesprochen flach.
Das ästhetische Mittel der Tiefenschärfe ermöglicht über den Wechsel eines klein gehaltenen Schärfentiefe-Bereichs eine einstellungsinterne Verlagerung der Aufmerksamkeitslenkung in der diametralen Achse; die Tiefenschärfe steuert somit die Wahrnehmung von Motiven in Vorder-, Mittel- und Hintergrund, auf die durch Verlagerung des Tiefenschärfepunktes einzeln akzentuierend hingewiesen kann. Tiefenschärfenverlagerung ist darum eine Technik der filmischen Auflösung.

Literatur: Chion, Michel: Sur la profondeur de champ. In: Bref: Le Magazine du Court Métrage, 39, Winter 1998, S. 46-50. – Comolli, Jean-Louis: Technique and ideology: camera, perspective, depth of field. In: Film Reader, 2, 1977, S. 128-140. Zuerst frz. In: Cahiers du Cinéma, 229, 1971. – Harpole, Charles H.: Ideological and technological determinism in deep-space cinema images: issues in ideology, technological history, and aesthetics. In: Film Quarterly 33,3, 1980, S. 11-22. – Serceau, Daniel: De la contradiction: champ profond et profondeur de champ. In: Contre Bande, Hors serie 1999, S. 59-72.
 

Referenzen:

Blendenöffnung

deepfocus shot

Fokus

innere Montage

Plastorama

Repoussoir

Split-Fokus-Objektive

Tilt-Shift-Effekt


Artikel zuletzt geändert am 20.12.2012


Verfasser: HJW


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