Lexikon der Filmbegriffe

Exzentrismus

Signalisiert als Renaissance der ‚niederen‘ Gattungen (Zirkus, Music Hall, Pantomime, Estrade) ein „karnevalistisches Weltempfinden“ (M. Bachtin) und steht damit in der Tradition des frühen Kinos der Attraktion. Findet seine theatrale und filmische Realisierung in der Avantgardekunst der Gruppe FEKS („Fabrik des exzentrischen Schauspielers“). Beispielhaft dafür eine Exzentrisierung Gogols, bei der die Figur Chaplins in das Theaterstück Die Heirat projiziert wird und von der Leinwand auf die Bühne springt. Die Exzentrik knüpft an das formalistische Konzept der Verfremdung und das damit verbundene Privileg des Heterogenen gegenüber dem Kontinuierlichen und Geschlossenen an. Zentrale Stichworte hierfür sind: Attraktion, Mechanik, Schauspieler als Modell, Brechung mit tradierten Kunstformen, Exponierung der Verfahren, Kunst als Spiel.

Literatur: Christie, Ian / Gillet, John (eds.): Futurism, formalism, FEKS: 'Eccentrism' and Soviet cinema 1918-1936. London: BFI 1978. – Poliwoda, Bernadette: F·EKS. Fabrik des exzentrischen Schauspielers. Vom Exzentrismus zur Poetik des Films in der frühen Sowjetkultur. München: Sagner 1994 (Slavistische Beiträge. 312.).


Artikel zuletzt geändert am 20.07.2011


Verfasser: WB


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