Lexikon der Filmbegriffe

Gegenstandslosigkeit

Gegenstandslos nannten die Formalisten ein Kunstwerk, sobald es nicht mehr an erster Stelle einen mimetisch reproduzierten außerkünstlerischen Gegenstand (re)präsentiert, sondern das künstlerische Verfahren selbst zur Schau stellt. Der Gegenstand findet sich dabei im gleichen Maß verfremdet, wie das künstlerische Verfahren als solches erfahrbar wird. Der ‚Verdinglichung‘ des medialen Prozesses, der so selbst zum Gegenstand der Kunstwahrnehmung erhoben wird, entspricht die Gegenstandslosigkeit des Werks. Das lässt sich ebenso an einer auf den ersten Blick so gegenstandsbezogenen Kunst wie dem Film beobachten, der für die Formalisten mit der Entwicklung seiner künstlerischen Ausdrucksmittel die Bedeutung des gefilmten Gegenstands herabsetzt und an dessen Stelle seine eigenen Verfahren exponiert. In der formalistischen Rezeption der Ejzenštejnschen Attraktionsmontage erscheint durch die Konfrontation zweier Einstellungen ein ungegenständliches Differenzbild als Grundlage der filmischen Semiose. 


Artikel zuletzt geändert am 31.07.2011


Verfasser: WB


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