Lexikon der Filmbegriffe

Twickenham Film Studios

Die Twickenham Film Studios wurden 1913 auf dem Gelände einer Eislaufbahn in St. Margaret‘s, Richmond-upon-Thames errichtet und wurden die Heimat der London Film Company, die Ralph Jupp 1913 ins Leben gerufen hatte. Die Firma war von Beginn an auf den internationalen Markt ausgerichtet. Der auf dem Roman Rodney Stone von Arthur Conan Doyle basierende erste Film des Studios – The House Of Temperley (1913) – wurde ein großer Erfolg, was dazu führte, dass London Film sich auf „stilvolle Filme“ festlegte. Trotz der hohen Qualität der Filme (von Regisseuren wie Harold M. Shaw und Produzenten wie Maurice Elvey) führten der beginnende Krieg und die zunehmende Überflutung des englischen Marktes durch die amerikanischen Studios dazu, dass Twickenham in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Jupp verkaufte die Studios 1920 für £35.000 an Alliance Company, die ihrerseits £23.000 in eine neue Licht-Ausrüstung investierte. Alliance machte mit The Bohemian Girl (1922) und Carnival (1922) zwei höchst erfolgreiche Filme – trotzdem ging die Firma 1922 in Konkurs. Bis 1928 wurden die Studios an verschiedene Filmgesellschaften vermietet. Der Regisseur Henry Edwards und der Produzent Julius Hagen gründeten 1927 die Firma Neo-Art, 1928 dann Twickenham Film Studios Limited. In den frühen 1930er Jahren wurden eine ganze Reihe von quota quickies realisiert, die aber wenig profitabel waren. 1937 übernahm die Westminster Bank die Studios, die 1938 geschlossen wurden.
1946 wurde wieder gearbeitet – The Alliance Film Studios Limited wurde gegründet, es entstanden zahlreiche halbstündige Fernsehproduktionen. Guido Coen wurde 1959 leitender Direktor - und in seiner Zeit wurde Twickenham zu einem der Stammstudios der englischen neuen Welle. Karel Reisz‘ Saturday Night And Sunday Morning (1960) entstand hier. Bekannter wurde das Studio durch den Beatles-Film A Hard Day's Night (1964) – Twickenham wurde zum internationalen Studio. In den 1980er Jahren entstanden Filme des neuen englischen Kinos wie Karel Reisz‘ The French Lieutenant's Woman (1981), Charles Crichtons A Fish Called Wanda (1988) oder Lewis Gilberts Shirley Valentine (1989) in den Studios, die weiter ihre Rolle in der nationalen Filmproduktion spielen.


Artikel zuletzt geändert am 22.07.2011


Verfasser: JH


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