Lexikon der Filmbegriffe

bunraku

Bunraku, jôruri und ningyô-jôruri sind spezielle Formen des japanischen Puppen- oder Marionettentheaters, die dem Kabuki nahestehen. Die populäre Kunst entwickelte sich seit dem frühen 17. Jahrhundert (Edo-Zeit) und fand in dem japanischen Nationaldichter Monzaemon Chikamatsu (1653-1724) einen bis heute geschätzten, gespielten und in modernere mediale Formen transponierten Meister. Beim traditionellen Bunraku-Puppenthater werden die Puppen von schwarzgekleideten und maskierten Spielern geführt. Diese sogenannten kuroko bleiben im Unterschied zum Anfang des bunraku für das Publikum sichtbar. Auf diese Weise unterbleibt jede Illusion hinsichtlich der Bewegungssouveränität und Intentionalität der Puppen selbst. Erzähler und Musiker haben ihre eigenen Teil- bzw. Hilfsbühnen. In den aufgeführten Stücken wird häufig auf eine dem Publikum zugängliche Weise der Widerstreit zwischen giri, dem unbedingten Pflichtbewusstsein gegenüber der Gesellschaft, und ninjo, den persönlichen Gefühlen und Emotionen des Individuums behandelt.


Eine eindrucksvolle direkte kinematographische Verschmelzung von Bunraku-Puppenthater mit den Darstellungen menschlicher Schauspieler via match cutting bietet Masahiro Shinodas Adaption von Chikamatsus Puppenspiel Shinjuten no Amijima (d.h. soviel wie „Freitode aus Liebe in Amijima“) in Shinjû: Ten no Amijima (1969). Aus der Hand Shinodas stammt auch die neuere filmische Adaption einer Samurai-Geschichte nach einem Bunraku Chikamatsus: Yari no Gonza (Gonza, der Lanzenkämpfer, aka: Die verbotene Liebe des Samurai, 1985/86). Zu nennen ist hier auch Midori Kurisakis Bunraku-Version von Chikamatsus Sonezaki Shinjû (Doppelselbstmord in Sonezaki, 1981/82).

Literatur: Adachi, Barbara C. / Sackett, Joel: Backstage at bunraku: a behind-the-scenes look at Japan’s traditional puppet theatre. New York [...]: Weatherhill 1985. – Keene, Donald: Nô and Bunraku: two forms of Japanese theatre. Tokyo/Palo Alto, Calif.: Kodansha International 1966; Neued., New York: Columbia University Press 1990. – Klopfenstein, Eduard: Bühnenfantasie und Kreativität im japanischen Puppenspiel (Ningyô jôruri / Bunraku). Zur Neueinschätzung der historischen Stücke (jidaimono). In: Kim, Mihee (Hrsg.): Eins und doppelt: Festschrift für Sang-Kyong Lee. Beiträge aus Theaterwissenschaft, Literaturwissenschaft, Ostasienwissenschaften. Frankfurt a. M. [u.a.]: Lang 2000, S. 36-49. – Skipitares, Theodora: The tension of modern Bunraku. In: PAJ: A Journal of Performance and Art 76, 2004, S. 13-21.

Referenzen:

Kabuki

gidajû

Giri-ninjo

Jôruri


Artikel zuletzt geändert am 14.01.2012


Verfasser: LK


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