Lexikon der Filmbegriffe

haha-mono

auch: hahamono; von japanisch haha = „Mutter“ + mono = „Geschichte, Erzählung, Spielfilm; eigentlich: Ding“: Mutter-Film, Spielfilm über die Mutterliebe und über die Stellung der Mutter innerhalb der japanischen Familie.

Das haha-mono ist eine Variante des shomin-geki genannten Genres, das sich mit den Lebensumständen und Schwierigkeiten der kleinen Leute beschäftigt, wobei die Spannweite der Darstellungsmodi Farce, Komödie, Melodram, sozialkritischen Film und auch lyrischen Film umfasst. Seit den 1920er Jahren wird die Film-Mutter populär (etwa in Heinosuke Goshos Stummfilm Haha-yo Koishi [„Geliebte Mutter“], 1926, Yasujirô Ozus Haha o Kowazuya / A Mother Should Be Loved, 1934, und Shibuya Minorus Haha to Ko [„Mutter und Kind“], 1938). Langsam entsteht das Bild der stillen, selbstlosen und sich für die Familie aufopfernden japanischen Mutter, deren Arbeit und Sorge von ihren oft undankbaren oder verblendeten Kindern nicht anerkannt wird. Während der Kriegszeit bleibt das Mutter-Thema nicht unbearbeitet: So entstehen Ozus Toda-ke no Kyodai (The Brothers and Sisters of the Toda Family, 1941) und Mikio Naruses Haha wa Shinazu (Mother Never Dies, 1942) sowie zehn Jahre später sein Film Okâsan (Mutter, 1952). Auch Keisuke Kinoshitas experimentell angelegter Film Nihon no Higeki („Eine japanische Tragödie“, 1953) ist einer der ersten Nachkriegsfilme, die wieder als haha-mono klassifiziert werden. In dieser Zeit begann die Schauspielerin Aiko Mimasu in ihren Rollen das filmische Mutterbild für die nächsten Dekaden zu prägen, z.B. in Filmen wie Haha no Uta (1955, Eiichi Koishi), Akasen chitai (1956, Kenji Mizoguchi), Kuchizuke (1957, Yasuzo Masumura) usw. Die Widerstandsfähigkeit des Subgenres erweist sich auch in neueren Werken wie z.B. Nihon ichi Mijikai „Haha“e no Tegami (Brief Message from the Heart, 1995, Shinichirô Sawai), in der ein Kind versucht, die Mutter in sein Leben zurückzuholen.
Populär ist heute auch das Mutterbild, wie es im japanischen Fernsehen die „homu dorama“ („Heimdrama“) genannten Serien im Soap-Opera-Format anzubieten haben.

Literatur: Anderson, Joseph L. / Richie, Donald: The Japanese film: art and industry. Expanded ed., Princeton, NJ: Princeton University Press 1982, S. 96-102. – Minaguchi, Kiseko: Media and mother: a case of actress Mimasu [= Aiko Mimasu, 1910-1982]; URL: u.a..jp/tosho/minaguchi15.pdf" target="_blank">http://appsv.main.teikyo-u.ac.jp/tosho/minaguchi15.pdf. – Sakamotu, Kazue: „Kazoku“ imêji no tanjô: Nihon eiga ni miru „hômu dorama“ no keisei. Tôkyô: Shin‘yosha 1997 [„Entstehung eines Familienbildes: der japan. Film und das „homu dorama““]. – Tesser, Max: Images du cinéma japonais. Paris: Veyrier 1981, S. 47-67; erweiterte Neued. 1990.

Referenzen:

Gendai-geki

Josei-eiga

Shomin-geki

Tsuma-mono


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: LK


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