Lexikon der Filmbegriffe

Jun-bungaku eiga

auch: Junbungaku eiga; von japan: jun = „rein, natürlich“ + bunga = „Literatur“, junbungaku = „schöne Literatur, Belletristik“, + eiga „Film“, d.h. „Literaturverfilmung“

Jun-bungaku meint Hochliteratur im Unterschied zu Massen- und Trivialliteratur (taishû bungaku) – mit allen jenen Kriterien der kulturellen Werthaltigkeit, philosophischen Reflektiertheit und politischen Engagiertheit, die eine solche Trennlinie auch im Westen so problematisch macht. Traditionell aber genoss und genießt die Verfilmung anspruchsvoller Literatur in Japan sowohl beim Publikum wie bei den Studios hohes Ansehen, und immer wieder waren und sind die Regisseure bemüht, auch historisch sehr alte Texte und Stücke in neuen filmischen Interpretationen mit durchaus gesellschaftskritischen Ansätzen vorzustellen.

Beispiele: Verfilmt wurden Romane von Autoren/Autorinnen des 20. Jahrhundert wie Kan Kikuchi (1888-1948), selbst Chef des großen Filmstudios Daiei, Yasunari Kawabata (1899-1972, Literaturnobelpreis 1968), Fumiko Hayashi (1904-1951), Sawako Ariyoshi (1931-1984). Der Drehbuchautor und Szenarist Toshio Yasumi ist zwischen 1937-1976 allein mit fast 100 verfilmten Titeln vertreten. Gerade auch Regieroutiniers haben sich immer wieder mit jun-bungaku auseinandergesetzt (zu nennen sind hier etwa: Tadashi Imai (1912-1991), Umeji (= Umetsugu) Inoue (1923- ), Keisuke Kinoshita (1912-1998), Yasuzô Masumura (1924-1986), Noboro Nakamura (1913-1981), Shirô Toyoda (1906-1977) und Kozaburo Yoshimura (1911-2000)).

Literatur: Richie, Donald: A hundred years of Japanese film: a concise history. With a selective guide to videos and Dvd's. Tokyo / New York: Kodansha International 2001, S. 134-176.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: LK


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