Lexikon der Filmbegriffe

Monumentalfilm

Kein eigentliches Genre, sondern Filme, die in verschiedener Hinsicht die Grenzen des Normalen sprengen: Im Budget durch außerordentlich hohe Kosten, im Ausstattungsaufwand durch Opulenz und Üppigkeit, in der Zahl der Stars, in Massenszenen mit oft Tausenden von Komparsen, im Format (eine ganze Reihe der Monumentalfilme sind in 70mm-Format realisiert worden) und meist schon durch Überlänge, die oft eine Pause oder sogar die Aufführung an verschiedenen Terminen erfordert. Die Kosten sind immens, und es gehört zur Publikumsstrategie, den Aufwand der Herstellung auch auszustellen – die Bewunderung des Produktionsaufwandes (production value) ist eine typische Rezeptionsgratifikation. Gerade dieser Charakter der Ausgestelltheit lädt dazu ein, Monumentalfilme zu politischen und weltanschaulichen Zwecken zu instrumentalisieren.
Typischerweise wählen Monumentalfilme – schon aufgrund der immensen Kosten, die sie verschlingen – Themen, die das Interesse eines entsprechend breiten Publikums garantieren: Literaturverfilmungen (Woina i Mir, 1965-67, Sergej Bondartschuk), Nationalepen (Birth of a Nation, 1915, David W. Griffith; Die Nibelungen, 1924, Fritz Lang; Exodus, 1960, Otto Preminger), Biopics (Napoléon, 1927, Abel Gance), Bibelverfilmungen (The Ten Commandments, 1956, Cecil B. DeMille), Filme, die auf arabischer Literatur beruhen (A Thousand and One Nights, 1945, Alfred E. Green), antike Epen im alten Ägypten (Land of Pharaos, 1955, Howard Hawks) oder im römischen Reich (Quo Vadis?, 1951, Mervyn LeRoy; Ben Hur, 1959, William Wyler), bekannte Katastrophen u.ä. Fast immer handelt es sich dabei um Historienfilme, die in vergangenen Epochen spielen. Eine Extremform ist heute mit dem monumentalen Fantasy-Dreiteiler Lord of the Rings (2001-03, Peter Jackson) erreicht, der nie geahnte Produktionskosten wieder eingespielt hat, außerdem erlebt der antikisierende Monumentalfilm seit Gladiator (2000, Ridley Scott) eine Renaissance.

Literatur: Elley, Derek: The epic film: myth and history. London/Boston: Routledge & Kegan Paul 1984. – Hirsch, Foster: The Hollywood Epic. South Brunswick [...]: A.S. Barnes/The Tantivy Press 1978. – Junkelmann, Marcus: Hollywoods Traum von Rom und die Tradition des Monumentalfilms. Mainz: Philipp von Zabern 2004. – Searles, Baird: Epic! History on the Big Screen. New York: Abrams 1990. – Smith, Gary A.: Epic films. Casts, credits and commentary on over 250 historical spectacle movies. Jefferson, NC [...]: McFarland 1991.

Referenzen:

Antike im Film

Ausstattungsfilm

Kolossalfilm

Kostümfilm

Nationalepos


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: PB JH


Zurück