Lexikon der Filmbegriffe

Post-colonial studies

auch: post-colonial theory, Postkolonialismus, Postkolonialität, postimperial, visual colonialism

Chronisch unterdefinierter und geradezu modischer Begriff der Literaturtheorie und Kulturkritik mit Schwerpunkt im angelsächsischen akademischen Bereich; wurde seit den späten 1970er Jahren im Zuge postmoderner, poststrukturalistischer, psychoanalytischer (Lacan) und politisch ‚linker‘ oder marxistischer Auseinandersetzungen um den als ungenügend oder fehlleitend empfundenen Begriff der „Commonwealth-Literaturen“ (Indien, Pakistan, Hong-Kong, Karibik/Westindien, Südafrika, Zimbabwe, Neuseeland, Kanada) oder der „Literaturen der dritten Welt“ von Autoren wie Edward W. Said (‚Orientalismus‘-Begriff) u.a. geprägt und allgemein auf die komplexen Beziehungen zwischen den ehemaligen europäischen Kolonialmächten und ihren früheren Kolonien sowie auf die frankophonen und indigenen Kulturen Kanadas ausgedehnt, so dass neben dem Englischen auch andere Sprachen ins Blickfeld treten. Die Geschichte der ehemaligen Kolonie USA als neuer Weltmacht sowie ihr Verhältnis zur Kultur der eigenen Urbevölkerung spielt dabei eine eigenartige Sonderrolle.
Die postcolonial studies verstehen sich als Analyse der literarisch-kulturell als eigenständig-resistent und nicht länger als minderwertig oder auch nur nachrangig empfundenen Produktionen aus den ehemaligen Kolonien und in den ‚Diasporen‘ (sich in den ehemaligen imperialen ‚Mutterländern‘ aufhaltenden Minoritäten), die beide Bereiche zu einem Neuen aus kreativem Prozess und kultureller Synthese zu amalgamieren versuchen, womit gleichzeitig Fragen nach Identität und Anderssein, Heimat und Exil, Machtverteilung, Abgrenzung, Zugehörigkeit und Komplizenschaft ins Visier geraten, die die immer stärker werdende Einbeziehung von politischer Theorie, psychoanalytischen Konzepten und feministischen Studien zumindest nahelegen.
Schlüsselwörter postkolonialer Analyse sind kulturelle Alterität (‚Andersartigkeit, Anderssein‘), Authentizität, Bricolage (‚Bastelei‘),Diaspora, Globalismus/Globalisierung, transkulturelle Hybridität (‚Mischbildungen‘), Mimikry (‚tarnende Anpassung‘), Orientalismus, Subalternität, imperiales Zentrum vs. koloniale Peripherie.

Literatur: Rings, Guido / Morgan-Tamosunas, Rikki (eds.): European cinema: inside out: images of the self and the other in postcolonial European film. Heidelberg: Winter 2003. – Sampat-Patel, Niti: Postcolonial masquerades: culture and politics in literature, film, video, and photography. New York: Garland 2001. – Santaolalla, Isabel (ed.): New exoticisms: changing patterns in the construction of otherness. Amsterdam/Atlanta: Rodopi 2000.

Referenzen:

Bricolage

Drittes Kino I: Programmatik

Drittes Kino II: Geschichte

Drittes Kino III: Postkolonialismus

Exotismus

Postkolonialismus

Queer Film Studies

Queer Theory / Queer Studies

Third Cinema

Orientalismus


Artikel zuletzt geändert am 10.02.2012


Verfasser: LK


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