Lexikon der Filmbegriffe

Cifesa

kurz für: Compañía Industrial del Film Español S.A.

Die Cifesa ist eine der erfolgreichsten spanischen Produktions- und Verleihgesellschaften mit Stammsitz in Valencia. Sie ließ zum ersten Mal in der spanischen Filmgeschichte eine eigene nationale Filmproduktion entstehen. Sie wurde zu Beginn der Tonfilmzeit 1932 gegründet und von einer einflussreichen Industriellenfamilie aus Valencia geführt. Sie arbeitete nach dem Prinzip des Star-Systems, indem nur die bekanntesten Schauspieler wie Imperio Argentina oder Estrellita Castro und Regisseure wie Florián Rey und Benito Perojo unter Vertrag genommen wurden. So gelang es ihr, gegenüber den Hollywood-Importen konkurrenzfähig zu sein. Einen besonderen geschäftlichen Erfolg verdankte die Cifesa dem exklusiven Verleihrecht der Filme der US-amerikanischen Produktionsgesellschaft Columbia Pictures in Spanien. Vor allem der Verleih von Frank Capras It Happened One Night (1934) wurde ein geschäftlicher Erfolg. Im selben Jahr wurde der erste Film mit dem Titel La hermana San Sulpicio unter der Regie von Florián Rey produziert. Die Cifesa stellte vor allem Kostümfilme her – sie wurde deshalb oft mit MGM verglichen – sowie publikumswirksame Komödien von ausgeprägt nationalem Charakter. Die Dokumentarfilme der Abteilung in Sevilla unter der Regie von Fernando Delgado wie Hacia u.a.nueva España (1936) machten von Beginn des Bürgerkriegs an offen Propaganda für Francos Truppen. Die Cifesa wurde zum inoffiziellen Filmstudio des franquistischen Regimes. Nach dem Krieg griff die Cifesa die Hoffnungslosigkeit des Publikums auf und produzierte Melodramen wie Malvaloca (Luis Marquina, 1942). Durch den Untergang des Dritten Reichs, mit dem die Cifesa kollaboriert hatte, erlitt sie schwere finanzielle Rückschläge, die sie offensiv durch kostspielige publikumswirksame Produktionen aufzufangen versuchte. Der Regisseur Juan de Orduña drehte so die bekanntesten Filme der Cifesa: Locura de amor (1948), Agustina de Aragón (1950) und La leona de Castilla (1951). Die hohen Produktionskosten verlangten in jedem Fall einen Kassenerfolg. Der Fehlschlag mit de Orduñas Alba de América (1951) war daher für die Cifesa fatal, die noch bis 1956 existierte.


Artikel zuletzt geändert am 02.08.2011


Verfasser: JT


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