Lexikon der Filmbegriffe

Paragone

von ital.: paragone = Vergleich, Gegenüberstellung

Schon in der Antike hob ein Streit darüber an, welche der Künste höher zu bewerten sei. Dieser Rangstreit flammte im 15. und 16. Jahrhundert wieder auf – für Leonardo da Vinci oder Albrecht Dürer hatte die Malerei Vorrang vor allen anderen künstlerischen Ausdrucksmitteln, sie galt ihnen als edelster Sinn des Menschen (Fenster der Seele), sogar gegenüber Musik und Poesie herausgehoben. Der Rangstreit machte es nötig, aus der künstlerischen Praxis in ihrer Mannigfaltigkeit die ästhetische und letztlich auch soziale Funktion und je spezifische Wirksamkeit der einzelnen Künste festzustellen und theoretisch zu begründen. Darum auch sind Begriffe, die in diesem Zusammenhang ausgearbeitet wurden (Plastizität, Volumen, Raum usw.), für die Kunsttheorie bis heute von hoher Bedeutung. Der Rangstreit selbst findet nur noch als Abwehr neuer Medien statt, wenn auch die Frage, wie der Film zu den anderen Künsten zu positionieren sei, immer wieder einmal Aufmerksamkeit gewonnen hat. Im wissenschaftlichen Diskurs hat die Untersuchung der Intermedialität – struktureller Beziehungen zwischen den Künsten, von Übertragungen, Strukturkopien, Adaption von Darstellungsmodi u.ä. – die Rangstreitfrage vollständig abgelöst.

Literatur: Lepper, Katharina B.: Der Paragone. Studien zu den Bewertungsnormen der bildenden Künste im frühen Humanismus. 1350-1480. Diss. Bonn 1987. – Koebner, Thomas (Hrsg.): Laokoon und kein Ende. Der Wettstreit der Künste. München: Text & Kritik 1989. – Hoormann, Anne: Lichtspiele. Zur Medienreflexion der Avantgarde in der Weimarer Republik. München: Fink 2003. – Sykora, Katharina: Paragone. Selbstreflexivität im vorfilmischen Bild. In: „Im Spiegelkabinett der Illusionen“. Filme über sich selbst. Hrsg. v. Ernst Karpf [...]. Marburg: Schüren 1996, S. 31-56.

Referenzen:

Remediation

Ut pictura poesis


Artikel zuletzt geändert am 22.04.2012


Verfasser: HJW


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