Lexikon der Filmbegriffe

Romanze

span.: romance; ital.: romanza

Ursprünglich bezeichnete Romanze eine balladenhafte lyrisch-epische Verserzählung, die dem Volkslied nahe stand und vor allem im spanischen Sprachraum entwickelt wurde. In der Musik ist die Romanze bis heute ein frei geformtes liedartiges Instrumentalstück meist sentimentalen Charakters. Dem balladesken Tonus entlehnt, wurde die Bezeichnung auch auf Geschichten im allgemeinen übertragen und benennt hier ein romantisches Liebeserlebnis oder ein Liebesabenteuer zwischen zwei Akteuren, die die Zeit mit dem neuen Partner als einen befreienden Bruch mit den Alltagszwängen erleben, in die sie gemeinhin eingespannt sind. Sentimentalität und Nähe zum Kitsch scheinen der Romanze zuzugehören. Sie findet sich in allen möglichen Genres – als Kriegs- oder Abenteuerromanze, unter Bedingungen politischer Unterdrückung oder höchster Gefahr für die Alltagswelt. Stets ist sie ein Einbruch einer „Sehnsuchts-Realität“ in eine das Subjekt und seine Wunschenergien verachtende Realität, und darum nimmt es auch nicht wunder, dass es eine ganze Reihe gesellschaftskritischer Romanzen gibt, in denen in oft ironischer, manchmal auch bittersüßer Form die allgemein-menschliche oder die historisch-soziale Situation beklagt wird. Beispiele stammen aus allen Zeiten der Filmgeschichte und aus allen Produktionsländern. Wenige Beispiele, die den Terminus schon im Titel tragen: Romanze in Moll (Deutschland 1943, Helmut Käutner); Heidelberger Romanze (BRD 1951, Paul Verhoeven); Romans o vlyublyonnykh (Romanze für Verliebte, UdSSR 1974, Andrej Michalkow-Kontschalowski); The Royal Romance of Charles and Diana (Großbritannien 1982, Peter Levin). Manche Romanzen brechen Tabus – in Douglas Sirks All That Heaven Allows (1955) verliebt sich ein junger Gärtner in eine ältere wohlhabende Witwe, oder in Tim (1979, Michael Pate) geht es um die Liebe eines geistig behinderten Jungen zu einer reifen Frau.
 

Referenzen:

interclass romance

Post-Romance


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: HJW


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