Lexikon der Filmbegriffe

Comics-Verfilmung

Zeitlich parallel sind um das Jahr 1895 die beiden Gattungen Film und Comic entstanden und haben sich seitdem fortwährend gegenseitig beeinflusst. Als in Paris und Berlin die ersten Filmstreifen durch den Cinématographe und das Bioskop liefen, erschien in den USA der erste Comic-Strip „The Yellow Kid“ in der Zeitung New York World. Seitdem existieren vielfältige Verbindungslinien zwischen beiden Gattungen. Fast jede Comics-Serie ist verfilmt oder für das Fernsehen in Form des Cartoons aufbereitet worden: als Realfilm (Tarzan, Batman, Dick Tracy), als Zeichentrickfilm (Peanuts, Flash Gordon, Tom and Jerry, die Disney-Produktionen) oder mittels Computeranimation (Little Nemo, Hulk); auch zeitgenössische Hybride aus Realfilm und Computeranimation (Spiderman) gehören hierzu. Umgekehrt lehnen sich die panels genannten Bildfolgen von Comics an eine filmische Szenenauflösung an und dramatisieren ihre Handlung beispielsweise durch Close-Ups und Schuss-Gegenschuss-Einstellungen. Weitere strukturelle Gemeinsamkeiten bestehen in der episodischen Serialität. Die unter wiederkehrenden Charakteren spielenden Abenteuer beinhalten Konflikte, die stets am Ende einer Episode aufgelöst werden.
Als erster Zeichentrickfilm gilt Gertie the Dinosaur (1919) von Winsor McCay. Frühe Zeichenpioniere wie Georges Méliès, Otto Messmer oder Pat Sullivan sind in beiden Gattungen erfolgreich tätig gewesen. Als Ausdrucksform der Massenkultur haben Comics und Filme auf dieselben populären Mythen und Ikonografien reagiert. Beispielsweise entstanden in den 1930er Jahren – zeitgleich mit dem Abenteuerfilm und der sich in ihm ausdrückenden Sehnsucht nach Befreiung von den Restriktionen der urbanen Zivilisation - Comicfiguren wie Tarzan, Jungle Jim oder The Phantom. Gegen Ende der 1930er Jahre, in den beginnenden Kriegswirren, bemühte sich dann das amerikanische Superhelden-Genre, die geopolitische Weltlage zu sublimieren. Einige Comicgeschöpfe lehnen sich an real existierende Filmstars an (Douglas Fairbanks, Errol Flynn, Humphrey Bogart), auf deren Image sie aufbauen, was rückwirkend wiederum intertextuellen Einfluss auf die Comics genommen hat.

Literatur: Massimo Moscati: Comics und Film. Berlin: Ullstein 1988. – Caneppele, Paolo / Krenn, Günter: Film ist Comics: Wahlverwandschaften zweier Medien . Die Projektionen des Filmstars Louise Brooks in den Comics von John Striebel bis Guido Crepax. Wien: Filmarchiv Austria 1999. - Hal Erickson: Television Cartoon Shows. An Illustrated Encyclopedia, 1949 through 1993. Jefferson, N.C.: McFarland Publisher 1996.

Referenzen:

Cartoon

Comics / Comic Strips


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HM


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