Lexikon der Filmbegriffe

Evolution: Formalismus

Bezeichnet die Entwicklung der Kunst als Veränderung ihrer Funktionen und formalen Elemente mit Blick auf die immanente Entwicklung künstlerischer Verfahren. Evolution wird allgemein als Wechselspiel von Automatisierung und Verfremdung (oder mit Mukarovsky: von Norm und Abweichung) beschrieben, genauer als Ablösung von Dominanten, die in diachroner Perspektive zugleich als gattungs- und epochenspezifische Signaturen zu begreifen sind. Die Evolution des Films betrachten die Formalisten unter zwei Gesichtspunkten: (1) als Evolution des Kunstsystems, in das der Film als neues Medium eintritt mit dem Effekt, dass sich die Interrelationen der etablierten Kunstformen verschieben; und (2) als Evolution filmischer Verfahren mit dem Effekt, dass einerseits einzelne Verfahren wie die Großaufnahme schrittweise den Film als Kunst konstituieren und andererseits eigenständige filmische Gattungen mit je spezifischen Dominanten sich herausbilden.

Literatur: Günther, Hans: Literarische Evolution und Literaturgeschichte. Zum Beitrag des russischen Formalismus. In: Der Diskurs der Literatur- und Sprachhistorie. Wissenschaftsgeschichte als Innovationsvorgabe. Hrsg. v. Bernard Cerquiglini & Hans-Ulrich Gumbrecht. Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 265-279. – Tynjanov, Jurij N.: Die literarischen Kunstmittel und die Evolution in der Literatur. Frankfurt: Suhrkamp 1967.


Artikel zuletzt geändert am 20.07.2011


Verfasser: WB


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