Lexikon der Filmbegriffe

Biopic

Kurzform für „biographical picture“, den biografischen Spielfilm; zunächst wohl als Slangausdruck der Variety; dt. früher meist: Filmbiografie

Als Subgenre des historischen Films porträtiert das Biopic historische Persönlichkeiten, aus deren Viten bedeutungsvolle Episoden, oft erheblich fiktionalisiert, geschildert werden. Als wichtige Inspirationsquelle diente seit je die Geschichte Jesu in der säkularisierten Form von Aufstieg, Fall und Wiederkehr (Comeback). Namhafte Beispiele entstanden in der Stummfilmära (Carl Froelichs Richard Wagner, 1913, oder Abel Gances Napoléon, 1927), doch erlebte das Genre seine erste Blüte im Tonfilm der 1930er. William Dieterles Warner-Brothers-Biopics, darunter The Story of Louis Pasteur (1936), repräsentierten die erbauliche, auf verschärfte Zensur reagierende Produktion Hollywoods. „Kulturell wertvolle“ Geschichten über heroische Individuen und deren Beitrag zum Fortschritt der Menschheit prägten auch in den faschistischen Ländern und in der Sowjetunion (z.B. Tschapajew, 1934) das klassische Biopic. Den Höhepunkt erreichte Hollywoods Produktion in den 1950ern, u.a. mit einer Reihe von Bandleader-Porträts nach The Glenn Miller Story (1954, Anthony Mann). Mit der Verlagerung von politischen zu künstlerischen Sujets nach dem 2. Weltkrieg kamen verstärkt Schattenseiten und pathologische Aspekte des Ruhms (Sucht, Wahn), später zunehmend auch Angehörige von Minderheiten in den Fokus, welche die moderne (Heldensturz-)Biografie seit den 1960er Jahren prägen. Die Titelfigur erscheint nun historisch dezentriert (Andrej Tarkowskijs Andrej Rubljow, 1968), als abwesendes nationales Phantasma (Francesco Rosis Salvatore Giuliano, 1961) oder als Verkörperung des Holocaust (Aus einem deutschen Leben, Theodor Kotulla, 1977). Trotz mitunter experimenteller Frauenbiografien, wie Jutta Brückners Rahel-Varnhagen-Kammerspiel Kolossale Liebe (1991), dominieren nach wie vor Männerporträts, wenn auch teils sehr exzentrische, wie die des Komikers Andy Kaufman in Milos Formans Man on the Moon (1999). Oft totgesagt, lebt das Genre schubweise immer wieder auf und hat auch in seiner jüngsten Konjunktur Oscar-gekrönten Erfolg (Ray, USA 2004, Taylor Hackford).

Literatur: Custen, George F.: Bio/Pics. How Hollywood Constructed Public History. New Brunswick, NJ: Rutgers University Press 1992. – Felix, Jürgen (Hrsg.): Genie und Leidenschaft. Künstlerleben im Film. St. Augustin: Gardez! 2000. - Taylor, Henry McKean: Rolle des Lebens. Die Filmbiographie als narratives System. Marburg: Schüren 2002.

Referenzen:

authentischer Fall

Dichterfilm

Doku-Porträt

Filmdokumentation (1)

Filmdokumentation (2)

Filmdokumentation (3)

Filmdokumentation (4)

hagiographischer Film

historisches Frauenschicksal

Jazz im Film / Jazzfilm

Karrierestory

Künstlerfilm

Musikerfilm

Porträt

Rembrandt im Film


Artikel zuletzt geändert am 14.01.2012


Verfasser: HMT


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