Lexikon der Filmbegriffe

Darsteller I

Persönlichkeit, die über Fähigkeiten und erlernte Techniken der körperlich-mimischen und stimmlichen Vorführung von dramaturgisch gebauten Figuren einer Story verfügt. Darstellungskunst hat sich als Schauspielkunst, Pantomime und Tanzkunst über Jahrtausende entwickelt und ist seit dem 17. Jahrhundert auch mit dem Musiktheater (Opernsänger) verknüpft. Die audiovisuellen Medien (Hörfunk, Film, Fernsehen) haben einerseits die Darstellungskunst differenziert, andererseits das Selbstdarstellen im Alltag, das durch Erving Goffman in den Fokus der Aufmerksamkeit geriet, in die Wiedergabe von Rollen integriert. Letzteres ist für den Dokumentarfilm von grundsätzlicher Bedeutung, aber auch im Spielfilm haben Laiendarsteller (man denke an das Typagekonzept von Eisenstein in den 1920ern, aber auch an die Darsteller im italienischen Neorealismus) aufgrund der Authentie-Effekte künstlerische Gestaltungsmöglichkeiten erhalten (mit dem Spezialfall der Kinderdarsteller). In den 1920er Jahren haben auf die „Kinofizierung“ der Schauspielkunst die Schulen von W.E. Meyerhold, L. Kuleschow, G. Kosinzew (Fabrik des exzentrischen Schauspielers), M. Reinhardt Einfluss genommen. Die Modifikationen des Stanislawski-Systems hatten im Actors‘ Studio (1947 gegründet) auf US-amerikanische Filmschauspieler tiefen Einfluss.
Für schauspielerische Leistungen im Spielfilm lassen sich folgende Analysebereiche unterscheiden: (1) Textaneignung und Erarbeitung der Rolle, (2) Regiearbeit und Darsteller (Besetzungsentscheidung, Kostüm-, Interieur-, Exterieurproben, Inszenierungsmethoden, Einflüsse von Montageverfahren), (3) Ausdrucksbedürfnisse in der Massenkommunikation (Persönlichkeitstyp der Darsteller und ihre Funktion als Projektionsfläche für Bedürfnisse und Wünsche des Publikums, wie es besonders deutlich bei Stars in Erscheinung tritt; Funktionen von Darstellern in der Alltagskultur, z.B. bei der Formulierung von Leitbildern).

Literatur: Goffman, Erving: Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag. München: Pieper 1969. Amer. Original 1959. Zahlr. Neuaufl. – Schumacher, Ernst (Hrsg.): Darsteller und Darstellungskunst in Theater, Film, Fernsehen und Hörfunk. Berlin: Henschel 1981.
 

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