Lexikon der Filmbegriffe

Orientalismus

Von Edward Said geprägter Begriff, der den kolonialistischen Diskurs der Europäer über den „Orient“ bezeichnet. Said hat anhand akademischer Schriften, Reiseliteratur und Romanen diesen historischen Diskurs analysiert und herausgearbeitet, dass in diesem der „Orient“ darin gleichsam imaginiert wird. Der „Okzident“ erschafft damit einen exotischen Schauplatz für das Andere, für sein eigenes Unterbewusstses. Die europäische Kultur definiert sich dabei als rational, friedliebend, logisch denkend usw. Der Orient hingegen wird als radikales Gegenbild dieses Entwurfs dargestellt. Er ist weiblich, der Okzident männlich konnotiert. Letztendlich sind diese Vorstellungen Teil eines Rechtfertigungsdiskurses für den Kolonialismus.
Vom Orientalismus angeregte Darstellungen finden sich auch im Film – zu Zeiten des Kolonialismus wie danach. Stereotype Handlungsräume erweisen sich gegenüber Veränderungen der Realität als erstaunlich resistent. Vom Bagdad der Stummfilmzeit in The Thief of Bagdad (1924, Raoul Walsh) über Steven Spielbergs Indiana Jones-Filme bis zu Disneys Aladdin (1992) finden sich Beispiele einer orientalistischen Repräsentation außereuropäischer Länder und „Kulturen“, von denen der Krummschwert schwingende Araber oder im Harem gefangene Europäerinnen nur zwei Beispiele sind.
Die Filmwissenschaft hat sich erst im Zuge der wachsenden Popularität postkolonialistischer Forschungen dieses Themas angenommen.

Literatur: Bernstein, Matthew / Gaylyn Studlar: Visions of the East. Orientalism in Film. New Brunswick, N.J.: Rutgers University Press 1997. – Said, Edward: Orientalism. New York: Vintage Books 1979.
 

Referenzen:


Artikel zuletzt geändert am 19.07.2011


Verfasser: CT


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