Lexikon der Filmbegriffe

Filmgeschichte im Film

Geht man vom aktuellen Erfolg von Martin Scorseses The Aviator (2004) aus, so erstaunt es fast, dass (Spiel-)Filme, die Filmgeschichte zum Inhalt haben, eher selten sind und deren künstlerischer und/oder kommerzieller Erfolg noch rarer ist. Zwar gibt es etliche Filme, die sich mit dem Filmemachen beschäftigen (im Milieu der Filmindustrie angesiedelt, als Film-im-Film, als Begleitung der Dreharbeiten zu einem Film etc.), doch die wenigsten davon begeben sich allerdings in ein konkretes historisches Umfeld. Ein Sonderfall ist Peter Jacksons Forgotten Silver (1995), der im Stil eines historischen Dokumentarfilms Leben und Werk eines australischen Filmpioniers, den es nie gegeben hat, behandelt.

Einige Sujets der Filmgeschichte sind bevorzugt behandelt worden:

– Stummfilmzeit: Die Erinnerungen von Allan Dwan bzw. die Dreharbeiten zu Intolerance (1916) bilden den Hintergrund für die ansonsten fiktiven Geschichten, die Nickelodeon (1976) und Good Morning Babylon (1987) erzählen. Die Produktion von Murnaus Nosferatu unter der absurden Prämisse, dessen Darsteller (Max Schreck) sei tatsächlich ein Vampir gewesen, hat Shadow of the Vampire (2000) zum Inhalt. Gänzlich zur Kulisse wird das Hollywood der 1920er Jahre in dem TV-Film Young Indiana Jones and the Hollywood Follies (1994). A Cat‘s Miouw (2001) hingegen nimmt sich der mysteriösen und bis heute ungeklärten Umstände des Todes von Produzent Thomas Ince an.


– Figuren des Hollywoodsystems: The Last Tycoon (1976) dramatisiert die literarische Vorlage Irving Thalberg, auch wenn die Figur im Film nicht so heißt. Goldwyn Follies (1938) macht Samuel Goldwyn zur Titelfigur. Die Entstehung von Citizen Kane (1941) ist der Inhalt des Fernsehfilms RKO 281 (1999). And Starring Pancho Villa as Himself, ein Fernsehfilm von 2003, schildert den Versuch Hollywoods, den mexikanischen Revolutionär als Schauspieler zu gewinnen. Dustin Hoffmans Hollywoodproduzent in Wag the Dog (1997) erinnert an Robert Evans. Regisseure sind die Protagonisten von Ed Wood (1994), White Hunter – Black Heart (1990) erzählt von John Huston und den Dreharbeiten zu The African Queen (1951).
– Schauprozesse und Blacklisting: Das düstere Kapitel in der Geschichte Hollywoods, die Zeit der Schwarzen Listen, wird in einigen Filmen thematisiert, wie in The Front (1976) oder Guilty by Suspicion (1990), die beide fiktionale Fälle schildern. Die Kommunistenhatz bildet auch den Hintergrund von The Way We Were (1973). Ein Sonderfall ist Frances (1982) über die Schauspielerin Frances Farmer.

Eine eigene Gruppe von Filmen behandelt das Privatleben von Stars, das zwar durch die Presse zum Teil schon öffentlich gemacht wird, aber in Form von Biopics, von Schlüsselfilmen oder von „geheimen Biographien“ auch dramatisches Interesse verdient. 

Filme über Stars: Valentino (1977); Man With a Thousand Faces (1957) über Lon Chaney; Chaplin (1992), Child Star: The Shirley Temple Story (2001) oder Introducing Dorothy Dandridge (1999) über die Titelfiguren; Mommie Dearest (1981) über die Beziehung von Joan Crawford zu ihrer Tochter; Norma Jean and Marilyn (1996) über Marilyn Monroe; The Life and Death of Peter Sellers (2004).

Literatur: Ames, Christopher: Movies about the movies. Hollywood reflected. Lexington, Ky.: University Press of Kentucky 1997. – Anderson, Patrick D.: In its own image. The cinematic vision of Hollywood. New York: Arno Press 1978. – Meyers, Richard: Movies on movies. How Hollywood sees itself. New York: Drake Publishers 1978. – Slide, Anthony: Films on film history. Metuchen, N.J.: Scarecrow 1979.
 

Referenzen:

Backstage-Musical


Artikel zuletzt geändert am 02.08.2011


Verfasser: CT


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