Lexikon der Filmbegriffe

uncut version

auch: unrated version

In Ländern, in denen eine Zensur sexueller, gewaltdarstellender oder anderer inkriminierter und tabuverletzender Filminhalte stattfindet, etabliert sich häufig ein alternativer Markt für ungekürzte Fassungen. Dies geschieht entweder unter Einhaltung oder unter Umgehung der Gesetzeslage. So können ungekürzte Fassungen mit einer höheren Altersfreigabe auf den Markt gelangen, was jedoch häufig Werbe- und Vertriebseinschränkungen mit sich führt. Mit Verbreitung des Internethandels werden Zensurbeschränkungen oft durch Importe aus dem Ausland umgangen; etliche Anbieter versenden ungekürzte Filme international.
Der Wunsch, einen Film in der (ursprünglich intendierten) Fassung zu sehen, hat in einigen Fällen unterschiedlich lange Fassungen zur Folge gehabt, die jeweils vorgeben, die „uncut version“ zu sein. Durch das Aufkommen der im Vergleich zur Ursprungsfassung oft längeren „Director‘s Cuts“ ist zudem eine Verundeutlichung des Schnitt-Begriffs entstanden. Diese hat in Einzelfällen dazu geführt, dass Filme wieder mit ausgemusterten Szenen angereichert wurden: Ein bekanntes Beispiel ist George Romeros Dawn of the Dead (1978), der in vier Versionen vorliegt – dem sogenannten „Director‘s Cut“, mit dem der Film in Cannes startete; dem von Romero selbst veranstalteten „Theatrical Cut“, der Kinofassung; dem „European Cut“, den Dario Argento überarbeitet hatte, und einem inoffiziellen „Ultimate Final Cut“, der von Astro-Film für den Videoverleih hergestellt wurde und fast alle bekannten Szenen des Films enthält.

Literatur: Seim, Roland / Spiegel, Josef (Hrsg.): „Ab 18“. Zensiert, diskutiert, unterschlagen. „Der dritte Grad“. Münster: Telos 2000. – Habel, F.-B.: Zerschnittene Filme. Zensur im Kino. Leipzig: Kiepenheuer 2003. –

Internetlink: www.schnittberichte.com

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