Lexikon der Filmbegriffe

Straßenfilm

Siegfried Kracauer bezeichnete in seinem Buch Von Caligari zu Hitler eine Reihe von Filmen aus den Jahren 1923 bis 1930 als Straßenfilme, die in der Großstadt spielen und in denen Personen der Mittelklasse durch die verlockenden und verbotenen Attraktionen der Straße aus der Monotonie ihres Alltags herausgelockt wurden. Zuweilen wurden im Straßenmilieu sogar Tugenden aufgespürt, die es in den bürgerlichen Wohnstuben nicht gab. Auch wenn die Geschichten eine oft nur fatalistisch zu ertragende Macht des Schicksals vorführen, sind die Konflikte sozial eingefärbt und nehmen so Bezug auf die politische Realität der neuen Metropolen. Meist beschränken sich die Filme kammerfilmartig auf nur wenige zentrale Figuren. Die Mobilität der Kamera ist dabei auffallend, weil sie der Enge des Handlungsraums ein unruhiges Gegengewicht bildet. Zu den Filmen der Gruppe gehören Die Straße (Karl Grune, 1923), Die freudlose Gasse (1925, G.W. Pabst), Asphalt (1928, Joe May) oder auch Der blaue Engel (1930). Das Konzept setzt sich in amerikanischen Filmen wie Midnight Cowboy (1969) oder Mean Streets (1973) fort, ohne dass es allerdings klare Rückbezüge gäbe.

Literatur: Petro, Patrice: Joyless streets: Women and melodramatic representation in Weimar Germany. Princeton, N.J.: Princeton University Press 1989.
 

Referenzen:

Road-Movie


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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