Lexikon der Filmbegriffe

Camouflage

frz., etwa: Tarnung (von militärischen Anlagen), Täuschung, Mimikry; Verkleidung mit der Absicht, etwas zu verbergen

(1) In der Mode spricht man vom sogenannten Camouflage-Muster und meint damit ein Tarnmuster, wie es an Militäruniformen auftritt: ein Fleckenmuster in Laub- und Erdtönen.
(2) In der Maske nennt man abdeckende Make-ups oft auch Camouflage. Dieses auf einer Wachs-Öl-Basis beruhende Kosmetikum zeichnet sich durch hohe Resistenz gegenüber Schweiß, Wasser und mechanische Beanspruchung aus, ist höchst belastbar und wird insbesondere für Action-Szenen verwendet. Im übertragenen Sinne spricht man vom Camouflieren, wenn man die Identität einer Person um jeden Preis verbergen will und durch eine Maske, eine falsche Identität u.ä. zu schützen sucht. Ein filmisches Beispiel ist die Alien-Figur in Predator (1987), die sich unsichtbar zu machen sucht, an den Rändern der Chamäleon-Maske aber verrät, dass „unter“ dem Sichtbaren sich eine Figur verbirgt.
(3) In der Texttheorie ist Camouflage eine Form des Palimpsestes und meint die Verbergung eines Textes oder einer Bedeutung unter einem/einer anderen. Eine Aussage wird danach (sprachlich, musikalisch, ikonografisch etc.) so verhüllt, dass sie im Allgemeinen nur von einem eingeweihten Leserkreis in der beabsichtigten Weise verstanden werden kann. Camouflieren ist der Prozess, der abläuft, wenn etwas umschrieben werden soll oder muss, was nicht benannt werden kann oder darf; Camouflage fragt nach den Formen und Mitteln der Verbergung. In der Differenz zwischen Oberflächentext und (intentionalem) Subtext steckt die geheime Botschaft. Camouflage fungiert z.B. bei politisch opponierender Literatur wie ein „Sprachversteck“, die erst durch ein Lesen zwischen den Zeilen ihre semantische Mehrsinnigkeit enthüllt; manche Szenarien, die Metaphorik und die scheinbar naive Art zu zitieren lassen sich dann auf einen verborgenen Sinnhorizont ihn deuten. Als Paradigma für ein solches Tabu, das umgangen werden muss, kann die „Darstellung der Liebe zwischen Männern“ gelten.

Literatur: Detering, Heinrich: Das offene Geheimnis. Zur literarischen Produktivität eines Tabus von Winckelmann bis zu Thomas Mann. Göttingen: Wallstein 1994.


Artikel zuletzt geändert am 02.08.2011


Verfasser: HJW


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