Lexikon der Filmbegriffe

Gastauftritt

manchmal auch: Gastrolle; selten: Sonder-Auftreten; engl.: guest appearance

Oft irrtümlicherweise als Sonderfall der Cameo-Auftritte gerechnet, ist der Gastauftritt der unmaskierte Auftritt einer Medienfigur oder eines Prominenten in einer Sendung des Fernsehens. Gastauftritte sind Strategien, die Popularität öffentlicher Figuren zu steigern, sie zu stabilisieren oder zu intensivieren. Seit den 1950ern wurde das Fernsehen als Werbeträger für Star-Images immer wichtiger. Die Hauptsendezeit war mit Familien-Sitcoms gefüllt, die das Auftreten von Medienfiguren als Gästen normalisierten. Programme wie I Love Lucy (USA 1951-57), The Jack Benny Show (USA 1950-65) oder The Martha Raye Show (USA 1955-56) ließen den Fan in face-to-face-Interaktion mit den Medienfiguren der Zeit treten, das Glamouröse der Stars wurde ins Alltägliche transformiert. Neben den Sitcoms wurden fast alle seriellen Formate des Fernsehens in das Gaustauftrittswesen integriert. Formen wie The Muppets Show (USA 1976-81) enthielten den Gastauftritt – der hier eigentlich eine der Hauptrollen der jeweiligen Episode war – als fest eingeplantes Element. Gastauftritte gibt es als Fälle des Cross-Overs im Show-Gewerbe, wenn sich also Showmaster gegenseitig in ihren Shows besuchen. Der Gastauftritt im Fernsehen ist heute für Prominente aller Bereiche Teil des Selbst-Marketings. So treten sogar Politiker in Daily Soaps auf (wie etwa Gerhard Schröder mehrfach als SPD-Chef in der Lindenstraße, als Bundeskanzler gar in Gute Zeiten, schlechte Zeiten, Folge 1.500, 1998, aufgetreten ist; der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle trat entsprechend in Big Brother, 14.10.2000, auf). 

Literatur: Anderegg, Michael: Cameos, guest stars, and real people with a special appearance by Orson Welles. In: Michigan Quarterly Review 35,1, 1996, pp. 43-60. – Mann, Denise: The spectacularization of everday life: Recycling Hollywood stars and fans in early television variety shows. In: Star texts. Ed. By Jeremy G. Butler. Detroit: Wayne State University Press 1991, pp. 333-361.
 

Referenzen:

Cameo: Typologie

Cameo-Auftritt

cross-over


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


Zurück